Wer sich aktiv in die Kommunikation im Internet einschaltet, muss damit rechnen, nicht mehr länger anonym bleiben zu können. Geübte Sprachwissenschaftler können persönliche Eigenheiten durchaus erkennen.
Bis zu 80 Prozent der Nutzer könnten durch Sprachanalysen identifiziert werden, indem man ihre linguistischen Eigenheiten beispielsweise über Postings in verschiedenen Foren und Communities hinweg zurückverfolgt. Über entsprechende Nachforschungen hatten die Informatikerinnen Aylin Caliskan Islam und Sadia Afroz unter anderem kürzlich auf dem 29. Chaos Communication Congress (29C3) in Hamburg berichtet.
Sie hätten bei entsprechenden Untersuchungen auch Verbindungen von Postings in Underground-Foren hin zu Blogs und auch wissenschaftlichen Veröffentlichungen ziehen können. Auch wenn in den jeweiligen Medien eine unterschiedliche Sprache eingesetzt wird - mal eher locker, mal sehr formal - gibt es doch bestimmte Funktionswörter, die von bestimmten Personen immer wieder eingesetzt werden.
Auf diese Weise sei es letztlich möglich, beispielsweise Betreiber von Botnetzen und Autoren von Malware zu identifizieren. Es müssen im Grunde nur Schriftstücke gefunden werden, die mit ihrer wahren Identität in Verbindung stehen. Das können beispielsweise längere Äußerungen in Social Networks oder in einem persönlichen Blog sein.
Für ihre Untersuchungen verwendeten die Informatikerinnen unter anderem Software, die üblicherweise eingesetzt wird, um schriftliche Ausarbeitungen auf Plagiate zu überprüfen. Hinzu kommen Methoden der stilistischen Analyse von Texten.
Vorraussetzung ist allerdings, dass ausreichend lange Textproben von den jeweiligen Personen zur Verfügung stehen. Mindestens 5.000 Wörter sollen die Äußerungen auf den verschiedenen Plattformen jeweils umfassen. Bei der konkreten Studie setzte man 6.500 Wörter als Standard an. Wenn ein Nutzer allerdings einerseits ein Blog schreibt und ansonsten etwas aktiver in einem Forum diskutiert, ist ein solcher Umfang schnell vorhanden.


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