Im Zuge des Prozesses um die Vergabe neuer Top-Level-Domains (TLDs) durch die Organisation zur Verwaltung der Namensräume im Internet, ICANN, kommt es durchaus auch zum Streit zwischen Unternehmen und Staaten.
Aktuell geht es im prominentesten Fall um die TLD .amazon, die sich Amazon, der weltweit größte Online-Händler sichern will. Unter der Führung Brasiliens haben sich nun mehrere südamerikanische Staaten zusammengetan und beanspruchen Zugriff auf die Domain-Endung. Über das Government Advisory Committee (GAC) der ICANN haben Brasilien und Peru als Mitglieder nun Widerspruch gegen die Vergabe von .amazon an das Unternehmen angemeldet, berichtete die 'TechWeek Europe'.
Sie vertreten dabei nach eigenen Angaben auch die Interessen von Bolivien, Ecuador, Guyana und Argentinien, die selbst keine direkten Mitglieder im GAC sind. Ziel sei es, zu verhindern, dass der Handelskonzern exklusive Rechte an der TLD erhält. Denn diese soll angesichts des offensichtlichen öffentlichen Interesses auch genutzt werden können, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes der Amazonas-Region in Südamerika weltweit zu stärken und die Belange der Gegend bekannter zu machen.
Formal argumentieren die Vertreter der Staaten dabei auch mit dem Markenrecht, auf das sich Amazon bei der Registrierung der TLD stützte. Denn der Begriff sei beispielsweise auch Namensbestandteil der "Amazon Cooperation Treaty Organization" (ACTO), in der sich die Anreinerstaaten des Flusses zusammengetan haben, um die Entwicklung des Amazonasbeckens voranzutreiben.
Beim Streit um die Vergabe von TLDs dürfte dieser Konflikt für die ICANN wohl am interessantesten zu entscheiden sein. Ansonsten hat sich die Organisation in den meisten Fällen damit auseinanderzusetzen, wer letztlich den Zuschlag für relativ generische Begriffe erhält. So werden beispielsweise .book, .app, .blog und .search von mehreren Interessenten beansprucht. Allerdings muss auch darüber entschieden werden, ob nun die Vereinigten Arabischen Emirate oder doch eher Indien die TLD .islam verwalten sollten. Oder ob .rugby dem International Rugby Board oder dem Mutterland des Sports, Großbritannien, zusteht.


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