Fahndung via Facebook: Angst vor Lynchjustiz

Auf Betreiben des hessischen Justizministers Jörg-Uwe Hahn (FDP) hat sich die Justizministerkonferenz mit der Fahndung via Facebook beschäftigt. Datenschützer und Opposition sehen dies aber skeptisch.

Die Polizei in Hannover hatte im Rahmen eines Pilotprojekts in der Vergangenheit bereits einige Fahndungsaufrufe nach mutmaßlichen Straftätern über Facebook verbreitet und dabei durchaus einige Erfolge erzielt. Immerhin bietet die Plattform schnell eine sehr hohe Reichweite. Allerdings bringt die Methode auch neue Herausforderungen mit sich.

"Soweit soziale Netzwerke für Fahndungszwecke genutzt werden sollen, muss die eigentliche Fahndung auf einem von der Polizei betriebenen Server bereitgehalten werden", forderte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar laut der 'Mitteldeutschen Zeitung'. Denn auf Facebook selbst bestehe das Problem, dass die Aufrufe letztlich aus der Hand gegeben und kaum noch kontrolliert werden könnten.


Denn angenommen, die Ermittlungen der Polizei ergeben, das man eine falsche Person verdächtigt hat, bliebe dies an dem Betroffenen vermutlich ewig haften - etwa weil die Fandungsveröffentlichung in zahlreichen anderen Profilen geteilt wurde. Auch die damit verbundenen Reaktionen der Nutzer sind hier kaum mehr kontrollierbar. "Die Internetfahndung darf auf keinen Fall dazu beitragen, dass falsche Verdächtigungen oder gar Aufrufe zur Lynchjustiz auf den Fahndungsseiten erscheinen", führte Schaar aus.

Dem pflichtet auch Wolfgang Neskovic, der für die Linke im Bundestag sitzt, bei. "Ich halte davon nichts, weil das Internet nicht vergisst", sagte der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof. "Auch eine ungerechtfertigte Fahndung kann nicht mehr gelöscht werden. Die Eingriffstiefe steht in keinem Verhältnis zu einem möglichen Erfolg." Dies sei insbesondere daher zu beachten, da die Reaktionen gerade in den schnelllebigen Social Networks schnell hochkochen.

Facebook selbst soll inzwischen allerdings Bereitschaft signalisiert haben, eine Möglichkeit zu schaffen, mit der die Behörden direkt über die Plattform nach Verdächtigen fahnden, dabei aber volle Kontrolle über die Inhalte behalten können.
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Facebook und andere Social Networks sollten für sowas nicht mißbraucht werden. Zum einen wegen den Risiken auch bei Falschanschuldigungen und wenn ich immer wieder die "Rundmails" bei Facebook sehe, die teilweise schon seit Jahren im Umlauf sind krieg ich die Krise. Sowas routiert dann in 10 Jahren immer noch, wenn der "Verdächtige" schon lange gefasst oder freigesprochen ist.
 
@dodnet: Die Polizei Hannover veröffentlicht nur (noch) Links zu ihrer Webseite bei Personenfahndungen.
 
@dodnet: Man muß schon recht naiv sein, wenn man glaubt, das Netz zur Jagd gegen Bürger (verniedlichend "Fahndung") mißbrauchen zu können, dann so können Bürger diese Jäger in die Irre führen und auch in den Hinterhalt locken, was ich persönlich nicht schlecht finde, da Großteile der sogenannten Justiz ohnehin nur die einzig gewalttätige Lobby für bestimmte Gruppen in Deutschland darstellen, während sie öffentlich äußert, für alle Bürger da zu sein (bei den einem für deren Nutzen, bei den anderen für deren Schaden).
 
Es stellt sich aber die Frage was wir haben wollen. Entweder die bestmöglichen Möglichkeiten der Ermittlungsarbeit (mit dem Risiko der Lynchjustiz) oder den Schutz des Täters. Ich glaube der Staat hat sich schon jetzt gegen Facebook entschieden, da immer die Täter/innen geschützt werden (Resozialisierungsmaßnahmen, Bewährungsstrafen u.ä. zeigen dies klar und deutlich), und die Opfer um jeden Euro Entschädigung kämpfen müssen! Bis bei uns ein/e Jugendliche/r, die in einem U-Bahnhof jemanden fast totschlägt, in den Bau geht, mus dies mehrfach passieren oder die Richter/innen mit Ihrem Latein ans Ende geraten (kommt selten vor, und dann bedauern sie es noch, wenn es einen Freiheitsentzug gibt).
 
[re:1] zwutz am 16.11.12 16:15 Uhr
(+11
@Graue Maus: Es mag für einige schwer vorstellbar sein, aber auch Täter haben Rechte. Vor allem, wenn sie noch nicht verurteilt wurden. Denn bis dahin sind sie unschuldig


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