Angespielt: Diablo 3 - Ein Bösewicht namens Server

Videospiel, Online-Rollenspiel, Diablo 3 Bildquelle: Blizzard
Drama, Verzweiflung, Weltuntergangsstimmung. Nein, das ist nicht etwa die Handlung von Diablo 3, sondern beschreibt (zumindest) den ersten Tag der Veröffentlichung des langerwarteten Blizzard-Spieles.
Die Server hielten dem ersten Ansturm der Spieler (eigentlich erwartungsgemäß) nicht stand, die Auf- und Erregung war entsprechend groß. Schließlich mussten die Fans zwölf Jahre auf den dritten Teil warten. Zudem witterte so mancher Schlamperei seitens Blizzard und fragte sich, warum sich die Kalifornier nicht besser darauf vorbereitet haben.

Die entscheidende Frage und zugleich der mit Abstand am häufigsten geäußerte Kritikpunkt ist das Fehlen eines Offline-Modus. Diablo 3 ist eng an das Blizzard-Netzwerk Battle.net geknüpft, somit kann das Spiel nicht genutzt werden, wenn die Server mal nicht online sind. Ja, ein Offline-Modus wäre sicherlich wünschenswert gewesen. Aber: Blizzard kann und wird ihn nicht einführen. Nicht heute, nicht morgen. Aber dazu später mehr.


Kommen wir also zum Spiel selbst. Eines gleich vorweg: Es ist verdammt schwer, über Diablo 3 zu urteilen, da das Hack'n'Slay, bei dem man als Held aus Halbvogel-Persepektive Gegnerhorden sowie Endbosse mit Schwert, Schild und Magie vermöbelt, für heutige Begriffe zwischen vielen Stühlen sitzt. Denn Blizzard hat das Spielprinzip praktisch gar nicht verändert. Modifiziert wurden eigentlich nur Details.

Diablo ist eben ein schnelles und hektisches Hack'n'Slay alter Schule, das war vor zwölf Jahren so und ist heute nicht anders. Den Reiz bezieht es natürlich nach wie vor aus der süchtig machenden Jagd nach immer neuen Gegenständen und Waffen, am besten in einer Multiplayer-Gruppe.

Das erste, das einem auffällt ist der vieldiskutierte Grafikstil. Die Hintergründe sehen wie handgemalt aus, besonders anfangs ist man davon doch sehr irritiert. Gerade in der ersten Hälfte von Akt I ist es schwer, sich an diese Art der Präsentation zu gewöhnen. Was wohl auch der Erwartungshaltung liegt, die Gamer in Zeiten von Battlefield, Crysis und Co. an Spiele haben.

Diablo 3 verzichtet auf Fotorealismus und ähnliches, sondern setzt stattdessen auf eine malerische bis comichafte Grafik. Und bald erkennt man: Die von Blizzard geschaffene Welt ist wunderschön. Sieht man von einigen wenigen eher eintönigen und texturarmen Arealen ab, kommt man ständig an Stellen, die einfallsreich und mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt worden sind.

Diablo 3 BarbarDiablo 3 BarbarDiablo 3 BarbarDiablo 3 Barbar

Besonders gut gelungen ist die Physik-Engine, diese sorgt immer wieder für Momente, wo man einfach grinsen muss. Da fliegen die Gegner in alle nur denkbaren Richtungen weg, ein Schild rotiert wie eine Münze um die eigene Achse und Trümmerteile fliegen dem Spieler förmlich entgegen.

Das Erstaunliche dabei: Die Framerate bleibt stets völlig stabil, selbst auf einem bereits einige Jahre alten Rechner kann man Diablo 3 wunderbar auch auf hohen Einstellungen spielen. Und das ist sicherlich eine große Leistung der Blizzard-Programmierer, denn zeitweise ist auf dem Bildschirm - in mehrfacher Hinsicht - die Hölle los.


Als Belohnung gibt's zwischen den vier Akten sowie vor und nach dem Spiel beeindruckende Render-Sequenzen, denen man höchstens vorwerfen kann, dass sie zu kurz sind. Die Story selbst ist eher schlicht. Gut gegen Böse, Engel gegen Dämonen und Höllenfürsten. Nett, aber alles andere als weltbewegend.

Unkompliziert ist auch das Gameplay: Man benötigt in Diablo 3 nur die beiden Maustasten, dazu fünf weitere auf der Tastatur. Mit der linken Maustaste wird die Standardattacke ausgelöst, diese füllt den Quasi-Mana-Vorrat der jeweiligen Klasse auf, dieser wird benötigt, um Spezialattacken bzw. "magische" Kräfte auszulösen.

Diablo 3 DämonenjägerDiablo 3 DämonenjägerDiablo 3 DämonenjägerDiablo 3 Dämonenjäger

Letztere sind auf den Ziffern eins bis vier platziert, hinzu kommt schließlich das Q, mit dem ein Heiltränke konsumiert wird. Alle Klassen haben also sechs aktive und maximal drei passive Skills. Diese stellen aber nur die Grundausstattung dar. Im Spielverlauf schaltetet man nämlich (nach Leveln gestaffelt) Runen frei, die die jeweilige Grundfähigkeit verbessern bzw. erweitern.

Die jeweiligen Skills können auch ständig geändert werden, allerdings wurde dabei eine einige Sekunden lange Abklingzeit eingebaut, sodass sich ein Wechsel während eines Kampfes nicht empfiehlt. So mancher wird sicherlich einen herkömmlichen Skill-Tree vermissen, das neue System lädt aber zum Experimentieren ein. Vor allem hat praktisch jede Rune eine klar spürbare Auswirkung.

Diablo 3 MönchDiablo 3 MönchDiablo 3 MönchDiablo 3 Mönch

So kann etwa ein Mönch mit einer Fähigkeit die Gegner in seinem Umkreis anziehen, ihnen dadurch Schaden zufügen und dann mit einem Rundum-Kick mit Feuer-Bonus den Rest erledigen. Klarerweise sind nicht alle Kombinationen sinnvoll, dank des neuen flexiblen Systems kann man aber etwaige Fehler sofort wieder korrigieren.

Das Gameplay hat jedoch, zumindest anfangs, ein ernsthaftes Problem: Auf Normal-Modus ist Diablo 3 viel zu leicht. Wer seinen Charakter halbwegs beherrscht und auf vernünftige Ausrüstung achtet, der wird über weite Strecken nicht mehr brauchen als die dauergedrückte linke Maustaste.

Gelegentlich heilt man sich oder führt eine Spezialattacke aus, aber selbst die Bosse bieten nicht den Hauch einer Herausforderung. Der nach einmaligen Durchspielen freigeschaltete Albtraum-Modus hebt den Schwierigkeitsgrad zwar sicherlich an, wirklich schwer ist Diablo 3 aber auch dann noch nicht. Bei den höheren Stufen Hölle und Inferno (müssen ebefalls freigeschaltet werden) sieht die Sache sicherlich schon ganz anders aus, allerdings hätte es anfangs auch ein klein wenig fordernder sein können.

Diablo 3 HexendoktorDiablo 3 HexendoktorDiablo 3 HexendoktorDiablo 3 Hexendoktor

Der Hauptreiz von Diablo ist und bleibt die Jagd nach immer besseren Items. Das funktioniert auch im dritten Teil bestens, man zögert nach dem ersten Durchspielen keine Sekunde und fängt gleich die nächste Schwierigkeitstufe an, schließlich warten dort auch die besseren Gegenstände.

Die Basis-Statuswerte lassen sich dabei relativ leicht der eigenen Klasse zuordnen: Man braucht immer nur das jeweilige Haupt-Attribut (beim Barbar ist es beispielsweise Stärke, beim Mönch Geschicklichkeit und beim Zauberer Intelligenz), Vitalität (ist gleich Lebensenergie) kann hingegen jeder gebrauchen.

Allerdings hat es Blizzard mit der Droprate ein wenig zu gut gemeint. Man wird regelrecht mit blauen und gelben Items überschüttet, das meiste ist nur zum Auseinandernehmen geeignet. Der Stauraum im (nicht erweiterbaren) Rucksack ist schnell voll und man nutzt ständig das (jederzeit verfügbare) Stadtportal, um sich des Mülls zu entledigen und es zu Crafting-Material zu zerlegen.

Potenzielle Auktionshaus-Kandidaten gibt es genug, allerding muss man mühevoll die Statuswerte studieren, denn nutzloses Zeug, mag es noch so gelb funkeln, macht den Großteil der Drops aus. Übrigens müssen gelbe (also rare) Gegenstände nach wie vor identifiziert werden, allerdings braucht man zu keine Schriftrolle mehr, ein einfacher Rechtsklick genügt nun. Das ist gut so, da man nach wie vor die Spannung hat, was rauskommt, aber nicht mehr jedes Mal durch die Schriftrollen-"Bürokratie" durch muss.

Das Auktionshaus, wo Spieler miteinander handeln können, ist in seiner derzeitigen Form allerdings ein ziemlicher Sauhaufen. Es ist mit schier unendlich vielen raren Gegenständen und Waffen vollgestopft, sodass vernünftiger Handel kaum möglich ist. Das liegt vor allem daran, dass ein etwaiger Verkauf derzeit noch Glücksache ist. Im Normalfall sind nämlich Gegenstände mit vergleichbaren Statuswerten entweder spottbillig oder unverschämt teuer. Da kann man nur hoffen, dass sich das mit der Zeit ansatzweise einpendelt und sich ein nachvollziehbarer Markt herauskristallisiert.


Diese Woche soll auch das neue Echtgeld-Auktionshaus starten. Ob die Spieler das tatsächlich annehmen werden, wird sich erst zeigen, derzeit darf man aber durchaus Zweifel haben. Möglicherweise werden dort gelegentlich völlig verrückte Auktionen über die Bühne gehen, der Großteil der Nutzer wird es aber vermutlich ignorieren.

Dass Blizzard nun Echtgeld-Auktionen selbst durchführt, ist übrigens eine Notwendigkeit, die der heutigen Zeit geschuldet ist. Denn Echtgeldhandel wäre ohnehin unvermeidlich gewesen, warum sollte Blizzard das Feld anderen (z. B.: eBay) überlassen?

Das ist übrigens auch der wahre Grund, warum Diablo 3 derart eng an die Blizzard-Server gebunden ist. Denn die Online-Anbindungspflicht ist nur zum Teil ein Kopierschutz. Blizzard muss das schlichtweg so machen, da sie genau überprüfen müssen, welche Gegenstände "auf den Markt kommen". Cheater waren beim Vorgänger schließlich alles andere als eine Seltenheit.

Jetzt, wo es auch um echtes Geld geht, muss Blizzard derartig streng sein, da Sicherheit an oberster Stelle steht. Ein Offline-Modus wird deshalb definitiv nie kommen, damit werden wir uns wohl oder übel abfinden müssen.

Man kann Gegenstände, also Rüstungen und Waffen, auch ganz legal selbst herstellen (im Gegensatz zu Schummlern, die bei Diablo 2 starke Items per Editor kreiert haben). Denn Blizzard hat Diablo 3 ein simples, aber durchaus motivierendes Crafting spendiert.


Die Items können beim Schmied im "Basislager" eines jeweiligen Aktes zerlegt werden. Dabei kommen aber stets nur ein oder zwei unterschiedliche Materialien heraus, diese können dann zu neuen Gegenständen zusammengesetzt werden. Das ist höchst simpel, im Gegensatz zu MMOs wie WoW muss man nicht langwierig unterschiedlichste Zutaten und Rezepte sammeln, sondern kann praktisch sofort loslegen.

Die Stufe seiner Schmiedefertigkeit muss man auch nicht "aufleveln", sondern erkauft sie sich. So kommt man an neue Rezepte, sprich Items. Zunächst kostet das nur Gold, ab dem Albtraum-Schwierigkeitsgrad sind dazu auch so genannte Trainings-Schriftrollen notwendig.

Motivierend ist daran, dass man immer wieder etwas tatsächlich brauchen kann, da die Statuswerte zufällig ausgewürfelt werden und somit die Chance auf etwas Brauchbares immer gegeben ist. Dass man auch jede Menge Müll produziert, liegt in der Natur der Sache.

Diablo 3 ZauberinDiablo 3 ZauberinDiablo 3 ZauberinDiablo 3 Zauberin

Noch simpler ist die Edelstein-Herstellung. Dabei kombiniert man mehrere Edelsteine, die einzelne Statuswerte verbessern, zu immer höherwertigen Versionen. Die sind dann auch stets deutlich besser, das Juwelier-Vergnügen geht aber auch ganz schön ins Gold.

Fazit:
Diablo 3 ist ein hervorragendes Spiel. Wenn man es denn spielen kann. Die Startschwierigkeiten waren letztlich nicht dramatisch, aber für Blizzard dennoch höchst peinlich. Denn wenn man schon einen Mitternachts-Launch inszeniert, dann sollte man schon alleine aus PR-Sicht einen reibungslosen Ablauf garantieren können.

Wenn man dann auch noch am gestrigen ersten Sonntagnachmittag nach Launch die Server für mehrere Stunden abklemmen muss, dann ist das für die Spieler zweifellos höchst ärgerlich. Man wird sich damit aber wohl oder übel abfinden müssen. Und kann nur hoffen, dass Blizzard die Situation alsbald und endgültig unter Kontrolle bekommt.

Die Online-Pflicht hat zwar zweifellos viele Nachteile, das steht außer Frage. Aber Cheater-geplagte Spieler des Vorgängers werden sicherlich bestätigen können, dass schummelnde Mitmenschen das weit größere Übel sind. Schließlich schützt Blizzard mit dieser Restriktion nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch seine Kunden…

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