Aigner: Digitales Vergessen bedroht Pressefreiheit

Recht, Politik & EU Die Idee, das Recht auf das digitale Vergessen, im Datenschutzrecht zu verankern, birgt nach Ansicht von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner Gefahren für die Pressefreiheit. Eine entsprechende Initiative ist im Entwurf für die neue EU-Datenschutzverordnung zu finden.

Die Idee dahinter klingt einfach: Jeder Nutzer soll Erwarten können, dass Inhalte, die ihn persönlich betreffen, nach einer gewissen Zeit wieder aus dem Internet verschwinden. Was erst einmal nach einer guten Idee klingt, kann bei näherer Betrachtung in der Praxis zu großen Schwierigkeiten führen.

Sollten Nutzer beispielsweise verlangen können, dass Informationen über ihr früheres Leben aus dem Netz getilgt werden, könnte dies auch bedeuten, dass Pressepublikationen im Netz gezwungen werden könnten, regelmäßig ihre Archive umfangreich um Artikel zu bereinigen, in denen bestimmte Personen vorkommen.


"So wichtig Datenschutz für den Einzelnen ist – wir müssen immer die Grundrechte abwägen und dürfen nicht zulassen, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr geraten", sagte Aigner gegenüber der Tageszeitung 'Die Welt'. Auch die Branchenverbände der Verlage hegen entsprechende Befürchtungen und kritisierten das EU-Vorhaben.

Auch technisch sind einem solchen Recht enge Grenzen gesetzt. In einem offenen Netz, das zunehmend vom Austausch von Inhalten unter Nutzern lebt, lässt sich im Grunde nicht sicherstellen, dass bestimmte Daten komplett verschwinden. Immerhin können Informationen sofort nach ihrer Veröffentlicht im großen Umfang und an vielen verschiedenen Stellen als Kopie auftauchen. Und mehrfach hat das Netz eine gewisse Eigendynamik bewiesen: Gerade Daten, die aus ihm entfernt werden sollen, verbreiten sich in der Regel um so schneller.

Zumindest sollen nach dem Willen der EU-Kommission aber Betreiber sozialer Netzwerke Daten nicht mehr unbegrenzt speichern. Aber auch eine solche Regelung bedarf einer klaren praktischen Ausgestaltung. Schließlich würde es wohl eher den Unmut von Nutzern erregen, wenn beispielsweise ihr liebevoll zusammengestelltes Album mit Urlaubsbildern eines Tages plötzlich aus ihrem Facebook-Account verschwindet.
Diese Nachricht empfehlen:
 
Mein Gott, das zeigt mal wieder wie meilenweit entfernt einige Politiker von der Realität sind. Das Ganze klingt zwar nett, aber ist in der Realität definitiv nicht umzusetzen. Da kann man jetzt jahrelang drüber diskutieren um am Ende auf dieses Ergebnis zu kommen oder man hört gleich darauf, was Leute sagen, die sich damit auskennen.
 
@515277: Irgendwas muss sie ja sagen, hat ja sonst nichts zu sagen und zu tun :-).
 
@515277: Damit meinst Du jetzt die Politiker hinter dem EU-Vorhaben und nicht Frau Aigner, oder?
 
@FenFire: Auch Frau Aigner hat scheinbar nichts zu tun.. Sie ist mehr mit Profilieren (GoogleStreetView, Facebook usw) beschäftigt als sich mal darum zu kümmern die Nahrungsmittelindustrie an die Leine zu nehmen.
 
Grundsätzlich geht es ja erst einmal darum, dass jeder die Inhalte, die er SELBST ins Netz gestellt hat, auch selber wieder löschen kann und darf. Sprich die Daten, die mal in Social Networks oder Foren landeten, sollen da, wenn der User es wünscht, auch wieder verschwinden.


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen

Schreiben Sie uns Ihre Meinung, bewerten Sie Kommentare oder diskutieren Sie mit anderen WinFuture.de Lesern!

Melden Sie sich jetzt kostenlos an
oder verwenden Sie Ihren bestehenden Zugang.

WinFuture Mobil

WinFuture.mbo QR-Code Auch Unterwegs bestens informiert!
Nachrichten und Kommentare auf
dem Smartphone lesen.

Folgt uns auf Twitter

WinFuture bei Twitter

Interessante Artikel & Testberichte

Community

  • Neue Kommentare
  • Neue Mitglieder

WinFuture wird gehostet von Artfiles

MSDN Online

News zu IT Pro- und Dev-Tools