SOPA-Protest: Wikipedia bleibt morgen 'schwarz'
Gestern hat Wikipedia-Gründer Jimmy Wales angekündigt, dass die englischsprachige Wikipedia morgen für 24 Stunden offline sein wird. Damit will man gegen den umstrittenen US-Gesetzentwurf "Stop Online Piracy Act" (SOPA) protestieren.
Wie Wales in einer 'Twitter-Nachricht' schreibt, sollten Studenten am Mittwoch "ihre Hausaufgaben früh erledigen", weil die Online-Enzyklopädie morgen gegen ein "schlechtes Gesetz" protestieren wird. Betreffen wird die Abschaltung nach Angaben von Wales weltweit rund 25 Millionen Menschen, das ist die Zahl, die Wikipedia im Schnitt täglich an Besuchern anzieht.

Wikipedia gegen SOPA und PIPA
Ganz offline bzw. "schwarz" wird Wikipedia allerdings nicht sein. Stattdessen wird es dort Anleitungen und Aufrufe geben, wie US-Bürger ihre lokalen Vertreter im Kongress kontaktieren können. Wales erhofft sich dadurch, dass in der US-Hauptstadt Washington "die Telefonsysteme zum Schmelzen gebracht werden."
Neben Wikipedia haben auch andere Medien angekündigt, den Protesttag gegen SOPA und Protect IP Act (PIPA) mit der Abschaltung (oder sonstigen Modifizierung) ihrer Seiten zu unterstützen, darunter Reddit, Mozilla und WordPress.
Unumstritten ist die Aktion allerdings nicht: Wie 'TheNextWeb' berichtet, meldete sich Twitter-Chef Dick Costolo zu Wort und bezeichnete den Protest als "albern". Der CEO des Kurznachrichtendienstes betonte, dass er und sein Unternehmen SOPA mit aller Entschiedenheit ablehnen würden. Die Abschaltung eines globalen Dienstes bzw. Geschäfts wegen einer "lokalen Angelegenheit, so vorsätzlich dämlich sie auch sein mag", sei aber laut Costolo eben "albern".
Unklar ist indes, ob die US-Gesetzesvorlage (sie soll Internet-Provider und Suchmaschinen zwingen, den Zugriff auf bestimmte Seiten zu sperren) überhaupt noch eine Chance hat, zur Abstimmung gebracht zu werden. Gestern kursierte eine Meldung, die die US-Plattform 'Examiner' lanciert hat, wonach die Vorlage von Repräsentantenhaus "getötet" worden sei.
Hier dürfte aber eher der Wunsch der Vater des Gedankens bzw. der Meldung gewesen sein, da wie u. a. 'Spiegel Online' berichtet, der republikanische Mehrheitsführer im US-Repräsentantenhaus Eric Cantor lediglich versprochen haben soll, SOPA nicht zur Abstimmung vorzuschlagen, bis man einen "Konsens" erreicht habe. Vor allem die vorgeschlagenen DNS-Filtermechanismen stehen bei SOPA heftig in der Kritik.
Siehe auch: SOPA: Facebook, Google & Co. planen Abschaltung
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