WinFuture-Jahresrückblick: Games, Hacks, Spyware

Das Jahr beginnt für Gamer traditionell mit "Altlasten". Im Herbst des jeweiligen Vorjahres jagen die Publisher so gut wie alle ihre Top-Titel (meist im Laufe des Novembers) innerhalb von nur wenigen Wochen raus.
Und weil es sich dabei eben um Top-Titel handelt, kauft man sich mehr Spiele als man eigentlich Zeit hat. Entsprechend haben die meisten von uns den Januar damit verbracht, Titel wie Call of Duty: Black Ops, Assassin's Creed: Brotherhood oder das (unglaublicherweise) tatsächlich nach über fünf Jahren endlich erschienene Gran Turismo 5 zu spielen.

Dann passiert bis Ende des Monats erst mal gar nichts. Und man kann gegen Electronic Arts so manches vorbringen (Ja, zu Origin kommen wir noch), aber der kanadische Großpublisher ist die einzige relevante Spielefirma, die mehr als nur ein Spiel zu dieser Zeit veröffentlicht.


Wir sprechen sogar von Top-Hits: Mass Effect 2 brachte uns einen erstklassigen BioWare-Titel mit all jenen Dingen, die die Rollenspiel-Spezialisten auszeichnet: Bestens ausgearbeitete Charaktere sowie eine faszinierende und spannende Story. Leider fiel das Gameplay etwas actionlastiger aus als beim Erstling, ein sehr gutes Spiel war's dennoch.

Erwähnenswert ist auch das zweite EA-Spiel von Anfang 2011, nämlich Dead Space 2: Trotz jeder Menge geschnetzelter Aliens bekam das Spiel von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eine Alters-Kennzeichnung ("Keine Jugendfreigabe") und durfte damit ganz regulär in Deutschland verkauft werden. Wie schon bei ersten Teil ging der Titel bei der (früher) höchst strengen USK knapp aber doch durch.


Das markiert durchaus eine gewisse Zeitenwende bei der USK, die nicht mehr panisch auf den großen "Pfui! Dreck! Verboten!"-Knopf drückt, wenn sie Gewalt auf dem Schirm sieht. Der Trend setzte sich in den restlichen Monaten 2011 fort, wohl sehr zum Missfallen von so manchen österreichischen Versandhändlern, die sich mit Deutschland-Exporten ungeschnittener Spiele bisher eine goldene Nase verdient haben.

Auch die alpenländische Microsoft-Repräsentanz dürfte sich ein klein wenig geärgert haben, denn mit Gears of War 3 erschien (eigentlich völlig unerwartet) im Herbst in Deutschland jenes Spiel, für dessen beiden Vorgänger sich seinerzeit nicht nur in Bayern und bei der Bild Zeitung so mancher einen Exorzisten herbeigewünscht hat.

Wie es nämlich definitiv nicht geht, zeigte uns dann der Februar: Von Bulletstorm erschienen nämlich zwei völlig unterschiedliche Versionen: die ungeschnittene und die verstümmelte deutsche Ausgabe. Bei ersterer ging es deftig-brutal, aber unterhaltsam zu. Durch den völlig überdrehten Humor und die Art, wie man möglichst kreativ (bis durchgeknallt) seine Gegner über den Jordan schicken musste, war es kaum möglich, das Spiel ernst zu nehmen. Bei der geschnittenen Version blieb dann nichts von Spielspaß übrig.

Im März gab es dann das erste Hardware-Debüt des Jahres. Mit dem Nintendo 3DS wurde eine regelrechte Revolution versprochen: Dreidimensionale Spiele ohne Brille. Das faszinierte zwar etliche und die 3D-Konsole verkaufte sich anfangs auch ganz ordentlich. Dann allerdings folgte schnell die Ernüchterung, man hatte sich schnell am 3DS satt gesehen und -gespielt.

Nintendo 3DSNintendo 3DSNintendo 3DSNintendo 3DS

Logische Folge: Die Verkäufe brachen ein und bescherten (auch weil Nintendo nicht genügend hochwertige Spiele zum Start angeboten hat) dem japanischen Hersteller später schmerzhafte Zahlen in den Bilanzbüchern.

Homefront, das Mitte März in die Läden kam, war ein durchaus ambitionierter, aber letztlich nur höchst mittelmäßiger Shooter. Aus heutiger Sicht kurios: Nach dem Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-Il kamen einige tatsächlich auf die Idee, dass Homefront dies vorhergesagt habe. Das wollen wir an dieser Stelle einfach mal so stehenlassen.


Spielerisch schon deutlich besser machte es Crysis 2: Das wohl einzige weltweit relevante Spiel aus Deutschland entführte die Zocker in ein von Aliens zerstörtes New York, das man im Nano-Supersoldaten-Anzug erkunden konnte.

Crysis 2 vollzog im Vergleich zum Erstling eine Kehrtwende: Denn während man den für Teil 1 passenden PC erst Jahre später kaufen konnte, machte es CryTek bei der Fortsetzung deutlich anders. Man entwickelte das Spiel parallel für PC und Konsolen, was Crysis 2 zwar praktisch für alle spielbar machte, die PC-Fraktion aber grafisch auch durchaus unterfordert war. Das ist auch generell nicht nur ein Trend des Jahres 2011, sondern zeichnete sich schon davor klar ab: Der PC als führende Plattform ist Geschichte. Kein Hersteller kann es sich heute leisten, nur eine Plattform zu bedienen, der PC wird sogar (leider) immer mehr zum ungeliebten Anhängsel.

Im Frühjahr erwachen dann nicht nur Menschen, Blumen und Biergärten, sondern offenbar auch die Hacker. Nachdem der japanische Unterhaltungskonzern Sony Anfang des Jahres den Hacker George Hotz alias Geohot sowie die Gruppe fail0verflow wegen des PS3-Jailbreaks verklagt hatte, schlug sich Anonymous auf die Seite der von Sony Verklagten und antwortete mit einer aufsehenerregenden Attacke: dem PSN-Hack. Zumindest dachte man das anfangs.


Bei den Angriffen auf unterschiedlichste Sony-Netzwerke wurden etliche Nutzerdaten erbeutet, der japanische Konzerne schaltete daraufhin das PlayStation Network (PSN) für mehrere Wochen ab. Die (dezentral funktionierende) Aktivisten-Gruppe Anonymous, die zunächst hinter den Angriffen vermutet worden war, dementierte ihre Beteiligung und sah sich später sogar zum 'Sündenbock' gestempelt.

Wer tatsächlich hinter den Angriffen steckt ist bis heute unklar. In den Folgemonaten kam es aber immer wieder zu ähnlichen Hacks, besondere Aufmerksamkeit konnte sich LulzSec sichern, da man nicht nur klassische Ziele wie Politik und Geheimdienste auswählte, sondern auch viele Spieleseiten und -Server angriff. Damit machte man sich aber nicht nur Freunde.

Mitte Mai endete dann der bekannteste und älteste Witz der Videospielgeschichte: Mit Duke Nukem Forever erschien jenes Spiel, dass über ein Jahrzehnt lang die sogenannten Vaporware-Charts dominiert hatte. Sage und schreibe 14 Jahre nach der ersten Ankündigung erschein dann aber tatsächlich die Fortsetzung des legendären Duke Nukem 3D.


Das Marketing-Theater war groß, aber ebenso (bei vielen, nicht allen) die Enttäuschung: Duke Nukem Forever war alles andere als zeitgemäß, weder Gameplay noch Grafik entsprachen den heutigen Standards. Auch beim Duke-typischen Humor war eine gewisse Ernüchterung zu spüren: Worüber wir seinerzeit noch herzlich lachten, erwies sich "dank" Fäkalhumor und (übertriebenen) Sexismus im Jahr 2011 als völlig infantil.

Im (Früh-)Sommer folgte dann mit der Electronic Entertainment Expo (E3) die wichtigste Spielmesse der Welt. Alles, was in der Branche Rang und Namen hat, kommt im Juni nach Los Angeles, um insbesondere das jeweilige Herbst-Lineup zu präsentieren. Die besten Trailer haben wir jeweils hier und hier zusammengestellt.

The Babes of Games Convention 2011The Babes of Games Convention 2011The Babes of Games Convention 2011The Babes of Games Convention 2011

So bedeutend die E3 auch ist: Für andere Veranstaltungen dieser Art bleibt nach der E3 kaum mehr ein Krümelchen an Information übrig. Das trifft vor allem die deutsche Gamescom. Zwar kommen dorthin Massen an Besuchern aus ganz Europa, für die Presse wird eine Reise nach Köln aber immer uninteressanter, da bei der Gamescom kaum noch eine nennenswerte Ankündigung gemacht wird.

Das Publikum scheint es nicht zu stören. Dieses strömte so zahlreich auf das Messegelände, dass der Veranstalter einen neuen Besucherrekord vermelden konnte. Insgesamt 275.000 Menschen kamen insgesamt nach Köln. Die Massen hatten allerdings auch zur Folge, dass am Samstag (20. August) die Eingangstore komplett gesperrt werden mussten, weil sich zu dem Zeitpunkt zu viele Menschen auf dem Gelände befanden.


Ende September endete die Spieleflaute dann traditionell und man konnte sich kaum vor Top-Titeln retten. Dabei hielten sich positive Überraschungen, etwa das bestens gelungene FIFA 12 sowie der SciFi-Shooter Deus Ex: Human Revolution, und Enttäuschungen die Waage. Letzteres war besonders bei Rage von den Doom- und Quake-Machern id Software der Fall.

Auf Rage ruhten zuvor viele Hoffnungen von Actionfans, bei Erscheinen stellte sich dann aber große Ernüchterung ein: Denn vor allem die PC-Version hatte anfangs mit großen technischen Problemen zu kämpfen. Insbesondere nicht nachladende Texturen machten aus dem an sich sehr schönen Spiel einen Grafikmatsch der Sonder(müll)klasse. Empörungen unter den PC-Spielern war die Folge, die Probleme konnten erst nach Tagen bis Wochen durch neue Treiber gelöst werden. Eine besonders unangenehme Folge hatte der Rage-Flop für ein zukünftiges Spiel: id musste die Entwicklung des Ego-Shooters Doom 4 auf "unbestimmte Zeit" verschieben.


Ende Oktober begann dann das ganz große Gefecht des Spiele-Herbstes 2011: Zunächst erschien Ende Oktober der dritte Teil der Battlefield-Reihe, knapp zwei Wochen später folgte die ebenfalls dritte Ausgabe von Call of Duty: Modern Warfare. Zwar kann man beide Titel als absolut gelungen bezeichnen, in den Kritiken der Fachmedien schlug der Activision-Titel die Electronic-Arts-Konkurrenz aber letztlich ganz knapp.


Das wirkte sich auch auf die Verkäufe aus. Dabei verging kein Tag ohne eine "Rekord! Rekorder! Am Rekordesten!"-Meldung, laut Activision war beispielsweise Call of Duty: Modern Warfare 3 das erste Unterhaltungsprodukt überhaupt (noch vor James Camerons 3D-Blockbuster Avatar), das in nur 16 Tagen nach dem Start die Marke von einer Milliarde US-Dollar Umsatz durchbrechen konnte.

Der Aufreger des Herbstes schlechthin war aber quasi ein "Nebenschauplatz" von Battlefield 3: Um das Spiel nutzen zu können ist nämlich die Installation der EA-Verkaufsplattform Origin notwendig. Die Analyse der entsprechenden Endnutzer-Lizenzvereinbarung durch einen Anwalt ergab allerdings, dass beim Steam-Konkurrenten "umfangreiche Verstöße gegen Verbraucher- und Datenschutzrechte" gebe.

Der Rechtsanwalt Thomas Schwenke ging sogar noch weiter und meint, dass die EULA (End User License Agreement) sich das Recht herausnehme, einen "Kopierschutz einzuführen, der in seiner Wirkung einer Spyware gleich kommt".

Die Aufregung, die folgte, war natürlich riesig: Schnell tauchten für Battlefield 3 Cracks und sonstige Workarounds auf, wie man das Spiel auch ohne Origin zum Laufen bringen kann. Electronic Arts verteidigte sich zwar und bestand auf dem Origin-Zwang, besserte aber an so mancher Stelle nach. Dass das EA/Origin-Bashing ein klein wenig übers Ziel hinausschoss, stellte kurz darauf die Computerzeitschrift 'c’t' fest: Diese konnte nämlich keinerlei Beweise finden, dass Origin tatsächlich seine Nutzer ausspioniert.


Wem das Shooter-Duell zwischen Battlefield 3 und Modern Warfare 3 satt hatte, der konnte aber zumindest auf genügend Alternativen zurückgreifen: Das Sandbox-Spiel Saints Row 3 brachte eine riesige Wagenladung absurder Ideen mit, und machte vieles, nur eines nicht: sich ernstnehmen.

Ein Trend setzte sich aber leider auch 2011 fort: Fortsetzungen und Remakes dominierten das Geschehen, es gibt heutzutage kaum noch ein Spiel ohne Ziffer im Titel. Das hat zwar nicht zwangsläufig eine Auswirkung auf die Qualität des jeweiligen Titels, wie auch Forza Motorsport 4, Assassin's Creed Revelations oder das Halo-Remake gezeigt haben, langsam(?) muss man aber doch das Gefühl haben, dass den Entwicklern die originalen Ideen schön langsam ausgehen (Minecraft mal ausgenommen).


Wer sich die Veröffentlichungslisten des kommenden Jahres ansieht, wird auch nicht viel Besserung diesbezüglich erkennen: Mit Spielen wie Diablo 3, Grand Thef Auto 5, Far Cry 3 oder Mass Effect 3 erwarten uns 2012 zwar absolute Top-Hits, für etwas völlig Neues fehlt den Entwicklern aber offenbar der Mut.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Jahresrückblicken, in denen unsere Redakteure bis zum Jahreswechsel ihre persönliche Sicht auf das vergangene Jahr darlegen. Auf der folgenden Seite bieten wir außerdem einen Überblick über die jeweiligen Top 10 der interessantesten und beliebtesten Beiträge der vergangenen zwölf Monate. Spiele, Tastatur, Games Spiele, Tastatur, Games
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