Angespielt: Halo, alter Freund, gut siehst du aus

Morgen vor genau zehn Jahren ist (in den USA) Halo: Combat Evolved erschienen. Zum Jubiläum beschert uns Microsoft nun eine "Anniversary"-Edition. Es ist eine gelungene Hommage an das wahrscheinlich wichtigste Spiel der (gesamten) Xbox-Geschichte.
Man kann die Bedeutung von Halo: Combat Evolved (der leider völlig banale deutsche Untertitel: Kampf um die Zukunft) gar nicht oft genug betonen. Ohne den am 15. November 2001 zeitgleich zur Markteinführung der Ur-Xbox in den USA erschienenen Titel würde die Konsolen- und sogar Spielewelt heute wohl gänzlich anders aussehen.

Halo war maßgeblich daran verantwortlich, dass First-Person-Shooter endlich auch auf Konsolen spielbar wurden. Das Bungie-Spiel führte etliche Gameplay-Elemente ein (Schildregeneration, Waffenbeschränkung auf zwei Knarren, etc.), die bis heute Genre-Standard sind. Halo machte überhaupt erst möglich, dass sich die Xbox gegen die damals scheinbar übermächtige japanische Konkurrenz behaupten konnte. Kurz gesagt: Halo war der Systemseller schlechthin.


Natürlich hat uns Halo eine der größten Ikonen der Videospielgeschichte beschert: den Master Chief. Dieser konnte sich mühelos zu Legenden wie Lara Croft, Super Mario, Solid Snake, Gordon Freeman und wie sie alle heißen einreihen. Und das, obwohl der Halo-Held im Gegensatz zum Valve-Kollegen mit der Brechstange zwar spricht, aber ansonsten nicht zu sehen ist, weil er hinter einer dicken Körperrüstung inklusive seines typischen Helmes steckt.

Rücktaste in die Vergangenheit
Die größte Anpassung der Anniversary-Edition ist natürlich die deutlich aufgehübschte Grafik. Wer dabei die Zurück-Taste auf dem Controller drückt, wird (mit etwa zwei Sekunden Verzögerung) zehn Jahre in die Vergangenheit zurückkatapultiert. Man kann nämlich jederzeit (mit Ausnahme der Zwischensequenzen) in den Original-Modus zurückwechseln und Halo in der ursprünglichen Grafik zocken.

Links die Original-Grafik, rechts jene von Halo: Anniversary - die gelbe Linie lässt sich übrigens seitwärts verschieben

Der direkte Vergleich ist schier unglaublich. Beim Wechsel hat man fast das Gefühl, dass das Spiel irgendwann in den Siebzigern programmiert worden ist. Das fällt aber weniger in den Außenlevels auf, die auch noch aus heutiger Sicht ganz passabel aussehen. Ganz anders ist es bei den Innenlevels: Deren Texturarmut war bei Halo schließlich der größte Schönheitsfehler. Gänge und Wände wirkten vielfach so, als hätte Bungie damals schlichtweg auf die Oberflächen-Grafiken vergessen. Hier ist der Unterschied auch am größten, das Drücken der Zurücktaste bewirkt entsprechend, dass man seinen Augen nicht trauen will.

Auf 'Xbox.com' gibt es übrigens eine nette interaktive Spielerei, auf der man gut die Grafik von Original und Neufassung miteinander vergleichen kann - dabei verschiebt man eine vertikale Linie, links ist die Urversion, rechts die Anniversary-Edition.

Generell ist die Grafik der Neufassung gut, wenngleich nicht ausgezeichnet. Mit einem Battlefield 3, Modern Warfare 3 oder Crysis 2 kann auch die aufgemotzte Halo-Version nicht mithalten. Sie bewegt sich auf Niveau von Halo: Reach. Das basiert zwar auf einer aufgebohrten Halo-3-Engine, die aber trotzdem schon etwas in die Jahre gekommen ist.


Die Bungie-Erben von 343 Industries machen dennoch einen ausgezeichneten Job: Der Look des Spieles wurde stark verbessert, ohne dass man an Atmosphäre einbüßt. Die immer noch sehr bunte Sci-Fi-Optik ist detailreich und läuft auch stets absolut flüssig. Wenn man die aufgemotzte Neufassung länger spielt, vernebelt sich schnell die Erinnerung und man glaubt, Halo hätte schon immer so ausgesehen.

Keine Verschlimmbesserungen...
Georg-Lucas-Effekte, also übertriebene "Verbesserungen" wie beim Remaster der originalen Star-Wars-Trilogie, sind allerdings keine zu befürchten: Bei Halo: Anniversary wurde vor allem poliert und nichts verändert oder hinzugefügt. Naja, fast nichts, geschraubt wurde ein wenig an den Multiplayer-Maps, neu sind die Totenschädel und die über das Spiel verstreuten Terminals, wo man sich über die Hintergründe der Story informieren kann (und die Halo-Geschichte ist ja durchaus etwas kompliziert).

Halo sieht nun also um eine ganze Hausecke besser aus, unter der Haube steckt aber nach wie vor dasselbe Game. An der Spielmechanik wurde nichts geändert. Diese fühlt sich genauso an wie damals. Das betrifft etwa die (etwas zu) weiten Sprünge und ganz generell das doch eher hohe Tempo des Spiels. Wie treu 343 Industries am Original bleibt, zeigt auch die Tatsache, dass alle Fehler und Glitches des Originals bewusst beibehalten wurden. Gegner und deren KI sehen nun ebenfalls besser aus, ihr Verhalten wurde glücklicherweise aber nicht angetastet.


Nicht perfekt, aber das ist auch gut so
Natürlich muss man zugeben, dass Halo kein perfektes Spiel war. Es gab genug Dinge, an denen man ganz gut herumnörgeln konnte. Dazu zählen etwa die nicht gerade seltenen Orientierungsschwierigkeiten in Außenlevels: Bei Halo fährt man doch immer wieder relativ ziellos durch die Gegend herum, weil man eben nicht weiß, wo es denn eigentlich weitergeht. Diesen Umstand hat man bei der Neuauflage nicht ganz beseitigt, aber zumindest entschärft. Auf dem Boden finden sich nun nämlich (ganz dezente) grüne Leuchtmarkierungen, die den richtigen Weg zeigen. Die Fahrzeuge steuern sich übrigens immer noch etwas zu direkt, aber das Herumschlittern mit Warthogs gehört eben einfach auch zum Halo-Erlebnis dazu.

Nach wie vor stört, dass die Gegner immer wieder mal scheinbar wahllos in einer Ecke des Spielbereichs auftauchen (das betrifft vor allem Außenlevels, die Innenbereiche sind ja meist Gang-Schläuche…) und man sie erst etwas mühsam suchen muss. Das ist aber eben ein weiterer zentraler Bestandteil des ursprünglichen Spieles und kann entsprechend nicht so leicht verändert oder angepasst werden. Was ebenfalls nach wie vor nervt: Halo zeigt einem viel zu selten an, wohin man als nächstes laufen muss. Das Radar in der Ecke ist also immer noch nur bedingt nützlich.

Links die Original-Grafik, rechts jene von Halo: Anniversary - auch hier lässt sich die gelbe Linie seitwärts verschieben

Zu den absoluten Highlights zählte schon damals der orchestrale Soundtrack, der geschickt während des Spiels bei entscheidenden Passagen einsetzte und die dramatische Stimmung wunderbar unterstrich. Auch die Musik wurde Note für Note übernommen. Allerdings hat man sie nun komplett neu aufgenommen und dieses Mal mit Hilfe eines vollständigen Orchesters. Das Skywalker Symphony Orchestra leistete auch ganze Arbeit: Der Soundtrack klingt jetzt noch ein wenig bombastischer, weil insgesamt runder und "voller". Das gilt auch für die gesungenen Choräle, die ebenfalls neu eingespielt worden sind.

Fazit
HD-Updates werden immer populärer, doch nicht immer, ja fast nie, haben sie die gleiche Qualität wie Halo: Combat Evolved Anniversary. An so gut wie jeder Stelle des Spiels merkt man die (grafische) Detailverliebtheit der Entwickler. Dazu muss man sich nur den aufgepimpten Warthog ansehen. Gleichzeitig hat man aber die Bugs und Eigenheiten der Vorlage übernommen, sodass auch das drinsteckt, was draufsteht: Halo.

Geldmacherei kann man Microsoft deshalb keinesfalls vorwerfen. Bei Halo Anniversary hat man sich wirklich Mühe gegeben. Aber alles andere wäre eines Halo auch nicht würdig gewesen. Zudem kostet die Neuauflage gerade mal 39 Euro als UVP, im WinFuture-Preisvergleich gibt es das Spiel sogar schon für knapp mehr als 30 Euro. Das ist mehr als fair, schließlich bekommt man hierfür ein komplettes und in vielerlei Hinsicht auch zeitgemäßes Spiel. Ego-Shooter, Shooter, Halo, Halo Combat Evolved Anniversary, Anniversary, Combat Evolved Ego-Shooter, Shooter, Halo, Halo Combat Evolved Anniversary, Anniversary, Combat Evolved
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