Tunesisches Regime wurde von Microsoft umworben

Microsoft, Gebäude, Headquarter Bildquelle: Microsoft
Der Software-Konzern Microsoft dürfte bei einer ganzen Reihe von Tunesiern nicht mehr besonders gut angesehen sein, nachdem nun auch eine US-Botschaftsdepesche zu den Geschäftsbeziehungen zwischen dem Unternehmen und dem im letzten Jahr gestürzten Regime öffentlich wurde. Aus dem Dokument geht hervor, dass die tunesische Regierung nicht einfach nur Produkte von Microsoft kaufte und einsetzte. Das Unternehmen tat auch einiges dafür, dass die Beziehungen nicht abbrachen. Insbesondere, als sich die Administration anschickte, die IT-Infrastruktur staatlicher Stellen auf Open Source-Software umzustellen.

Um dies zu verhindern, bot Microsoft dem tunesischen Staat an, ein "Programm gegen Online-Kriminalität" aufzusetzen. Im Zuge dessen wurden dann Vertreter des Innen- und Justizministeriums mit Schulungen in dem Bereich weitergebildet. Außerdem legte der Konzern die Quellcodes seiner Produkte gegenüber tunesischen Experten offen.

In den Rückmeldungen von Mitarbeitern der US-Botschaft in Tunesien an das heimische Außenministerium wurde das Engagement Microsofts kritisch beleuchtet. "In der Theorie klingt die Verbesserung der Fähigkeiten der GOT (Regierung Tunesiens) zur Strafverfolgung positiv. Die stark gegebene Einflussnahme der GOT auf das Internet wirft aber die Frage auf, ob dies nicht ihre Möglichkeiten zur Überwachung der Bevölkerung ausbaut", heißt es in der Depesche.

Der Konzern hatte demnach auf dem "Microsoft Government Leaders Forum", das in dem Jahr in Südafrika stattfand, ein entsprechendes Abkommen geschlossen. Der Deal wurde also nicht einfach von der tunesischen Landesniederlassung, sondern im Beisein hochrangiger Manager unterzeichnet. Salwa Smaoui, Chefin von Microsoft Tunesia habe die Übereinkunft im Nachhinein als "Win-Win für beide Seiten" bezeichnet.

Microsoft half dem Regime aber nicht nur bei der Verbesserung des Ausbildungsstandes der Sicherheitsbehörden hinsichtlich der IT-Security. Die tunesische Regierung hatte zudem das Problem, dass die Unzufriedenheit unter gebildeteren jungen Bürgern massiv zunahm, insbesondere weil inzwischen auch die Arbeitslosigkeit unter Universitäts-Absolventen immer weiter wuchs. Microsoft sicherte zu, dem mit der Einrichtung eines Innovation Centers entgegenzuwirken.

Um zu verstehen, welche Anstrengungen Microsoft in das Abkommen steckte, ist ein Detail von Bedeutung: Es dauert offenbar Jahre, die tunesische Regierung zu einem Vertragsabschluss zu bewegen, da das Misstrauen von Seiten des Regimes tief saß. So sei die Chefin von Microsoft Tunesia mehrfach von Ministern darauf angesprochen worden, warum sie denn als Tunesierin für einen US-Konzern arbeite. Sie berichtete, dass während der Gespräche stets eine Atmosphäre des Argwohns bestanden hätte. Microsoft, Gebäude, Headquarter Microsoft, Gebäude, Headquarter Microsoft
Diese Nachricht empfehlen
Kommentieren27
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Kommentar abgeben Netiquette beachten!

Jetzt als Amazon Blitzangebot

Ab 16:59Gigaset SL910 DECT Schnurlostelefon metall/pianoGigaset SL910 DECT Schnurlostelefon metall/piano
Original Amazon-Preis
121,95
Blitzangebot-Preis
99,99
Ersparnis 18% oder 21,96
Jetzt Kaufen
Im WinFuture Preisvergleich

Video-Empfehlungen

WinFuture Mobil

WinFuture.mbo QR-Code Auch Unterwegs bestens informiert!
Nachrichten und Kommentare auf
dem Smartphone lesen.

Folgt uns auf Twitter

WinFuture bei Twitter

Interessante Artikel & Testberichte

WinFuture wird gehostet von Artfiles

Tipp einsenden