Das Schreiben mit der Maschine - Ein Nachruf

Wirtschaft & Firmen Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viel Kraft man in einen Tastendruck legen musste, um einen der kleinen, präzise angeordneten Stempel in Richtung des eingespannten Blattes Papier fliegen zu lassen.
Kaum vorstellbar, wie meine Finger wohl heute Abend aussehen würden, müssten wir noch immer mit ihnen arbeiten. Und doch, die mechanische Schreibmaschine prägte das Büro fast das gesamte letzte Jahrhundert hindurch. Jetzt hat der letzte Hersteller solcher Maschinen die Produktion endgültig eingestellt.

Nur das indische Unternehmen Godrej & Boyce unterhielt in den letzten Jahren noch ein Werk, in dem die Geräte hergestellt wurden. Ein paar hundert neue Schreibmaschinen sind noch auf Lager - meist mit arabischen Schriftsätzen ausgestattet. Denn im Nahen Osten und Nordafrika setzen die traditionellen Straßenschreiber bis heute auf die mechanischen Systeme.

Godrej & Boyce Prima - Das letzte produzierte Modell

Hierzulande wurden Schreibmaschinen freilich schon in den 1980er Jahren nahezu vollständig von den hybriden elektronischen Schreibmaschinen und den PCs verdrängt. Allerdings täuscht der Blick in die Geschichte der hiesigen Büros. Noch bis zum Jahrtausendwechsel verzeichneten viele Hersteller von Schreibmaschinen eine ungebrochen hohe Nachfrage. Erst dann wurden Computer auch für eine breite Masse von Menschen in Entwicklungsländern langsam aber sicher bezahlbar.

Bis zum Jahr 2009 produzierte Godrej & Boyce noch 10.000 bis 12.000 Geräte im Jahr. Wichtigste Kunden waren bis dahin Geheimdienste, die bestimmte Informationen gar nicht erst in digitaler Form ablegen wollten, und Gerichte, in denen die Umstellung schlicht sehr langsam vor sich ging.

Jetzt besteht aber auch von dieser Seite her faktisch keine Nachfrage mehr. Es bleibt nur noch der Blick zurück auf die Zeit, in der Godrej & Boyce in den 1950er Jahren mit der Herstellung startete. Das war zu einer Zeit, als der damalige indische Premierminister Jawaharlal Nehru die Schreibmaschine zum Symbol der zunehmenden Unabhängigkeit und Industrialisierung des Landes erklärte.

Zu Hochzeiten verkaufte die Firma 50.000 Geräte pro Monat. Im letzten Jahr - als die Geräte bei den ehemals großen Produzenten im Westen und in Japan schon nur noch blasse Erinnerungen waren - wurden nach einem schnellen Einbruch der Nachfrage noch 800 Stück ausgeliefert.

Die erste, kommerziell in größerem Maßstab produzierte Schreibmaschine kam übrigens im Jahr 1867 in den USA auf den Markt und legte schon damals die Basis für das standardisierte QWERTY-Tastaturformat, das - wenn auch mit lokalen Anpassungen - noch heute auf unseren Computer-Tastaturen weiterlebt.

Update: Da es offenbar zu Missverständnissen kam, hier noch einmal der Hinweis: Es geht um rein mechanische Schreibmaschinen. Es gibt darüber hinaus noch einige wenige Hersteller, die weiterhin elektronische Varianten anbieten.
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