Wikileaks: Hintergründe, Enthüllungen & Konflikte

2010: Das Wikileaks-Jahr
Nach einer Pause, in der sich das Wikileaks-Team um den Jahreswechsel 2009/2010 herum auf das Sammeln von Spenden konzentrierte, meldete sich die Plattform im März 2010 zurück. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte man ein Dokument der US-Spionage-Abwehr, in dem Strategien entwickelt werden, um Wikileaks in der Öffentlichkeit unglaubwürdig zu machen. Damit bereiteten die Betreiber der Seite die Öffentlichkeit schon einmal darauf vor, wie die PR-Maschine der US-Regierung wohl auf die kommenden großen Enthüllungen reagieren wird.

Nicht einmal einen Monat später lud Julian Assange zu einer Pressekonferenz ein. Auf dieser führte er den anwesenden Journalisten das "Collateral Murder"-Video vor. Gefilmt von der Bord-Kamera eines US-Kampfhubschraubers, zeigt es die Tötung von irakischen Zivilisten, unter ihnen zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Es war der letzte Besuch von Assange in den USA, wo er seitdem auf der Liste der meistgesuchten Personen steht.


Ende Juli 2010 folgte dann eine weitaus größere Veröffentlichung: In Zusammenarbeit mit mehreren großen Presseverlagen präsentierte Wikileaks eine große Sammlung von Feldberichten der US-Soldaten im Afghanistan. Diese ließen den genauen Kriegsverlauf und die Zahlen der militärischen und zivilen Opfer sichtbar werden.

Den Aktivisten hinter Wikileaks war klar, dass sie spätestens jetzt ihren Schutz verbessern müssen. So veröffentlichten sie eine 1,7 Gigabyte große, verschlüsselte Datei, die den Namen "Versicherung" trägt. Dies war verbunden mit der Drohung, dass Passwort zu veröffentlichen, wenn einem der Wikileaks-Mitarbeiter etwas zustoßen sollte.

Assange, der sich inzwischen in Schweden aufhielt, sah sich dort plötzlich mit der Staatsanwaltschaft konfrontiert. Der Vorwurf lautete auf Vergewaltigung. Allerdings war selbst innerhalb der schwedischen Justiz umstritten, ob die Anschuldigungen zutreffen. Immerhin kamen sie von zwei Freundinnen, die beide kurze Verhältnisse mit dem Wikileaks-Sprecher hatten. Da vieles auf einen persönlichen Rachefeldzug hindeutete, wurden die Ermittlungen bereits einen Tag nach der Ausstellung eines Haftbefehls wieder eingestellt (siehe auch: Video von Spiegel-TV).

Ende September kam es zum Bruch mit dem bis dahin zweiten öffentlichen Sprecher der Plattform, der unter dem Namen Daniel Schmitt auftrat. Der Deutsche, der eigentlich Daniel Domscheit-Berg heißt, äußerte sich enttäuscht über die jüngsten Entwicklungen in der Organisation, die sich zunehmend auf spektakuläre Enthüllungen konzentrierte und kleinere Geschichten liegen ließ. Domscheit-Berg kritisierte außerdem die autoritäre Art, in der Assange die Organisation seiner Ansicht nach leitet.

Wikileaks Dies tat der Aktivität von Wikileaks aber keinen Abbruch. Schon kurze Zeit später wurden - wieder in Kooperation mit großen Medien - fast 400.000 Feldberichte von US-Soldaten aus dem Irak-Krieg veröffentlicht. Wie schon bei den Afghanistan-Dokumenten lassen diese das Kriegsgeschehen sehr plastisch erscheinen.

Der Druck auf Assange nahm in der Folge immer weiter zu. Da er sich in Schweden nicht mehr sicher fühlte, tauchte er in Großbritannien ab und begann mit der Suche nach einem Land, dass ihm politisches Asyl gewähren kann. Jetzt - drei Monate nach den ersten Ermittlungen in Schweden - wurde außerdem der Vergewaltigungsfall neu aufgerollt und ein neuer Haftbefehl ausgestellt.

Der Arbeit des Teams hinter Wikileaks ging ungeachtet dessen weiter. So konnten sie Ende November damit beginnen, 250.000 interne Berichte und Lageeinschätzungen aus den US-Botschaften in zahlreichen Ländern zu enthüllen. Die Attacken auf die Plattform erreichten infolge dessen eine bisher nicht gekannte Aggressivität. Die Webseite Wikileaks.org wurde erst mit massiven DDoS-Angriffen lahmgelegt und die Domain kurz darauf abgeschaltet. US-Unternehmen wie Amazon, PayPal, MasterCard und Visa lösten ihre Geschäftsbeziehungen zu Wikileaks auf.


Fahndungsaufruf bei Interpol

Das wiederum rief die Internet-Community auf den Plan. Binnen kurzer Zeit wurde die Wikileaks-Seite auf hunderten Spiegel-Servern rund um die Welt verfügbar gemacht. Die fraglichen Unternehmen gerieten ins Visier von "Anonymous", einem losen Aktionsnetzwerk von zahlreichen Internet-Nutzern, die nun ebenso DDoS-Attacken auf die jeweiligen Firmenseiten starteten. Die Solidaritäts-Welle nahm noch einmal zusätzlich Fahrt auf, als Julian Assange am 7. Dezember 2010 in Großbritannien auf Grundlage des schwedischen Haftbefehls festgenommen wurde.

Während die Auseinandersetzung zwischen Anhängern der US-Regierung und der Internet-Community in diesen Tagen immer weiter zuspitzt, arbeitet das Wikileaks-Team im Hintergrund bereits an der nächsten großen Enthüllung. Wie die Organisation mitteilte, sei Wikileaks durch die Festnahme von Assange durchaus nicht entscheidend geschwächt. In wenigen Wochen wird man zahlreiche interne Dokumente aus dem Top-Management einer Großbank ins Netz stellen.


Enthalten sind Bilder der Flickr-Nutzer Espen Moe, andygee1, New Media Days und New Media Days.
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