Jede zweite Arznei aus dem Internet ist gefälscht
Die niedersächsische Apothekerkammer und das Landeskriminalamt Niedersachsen haben davor gewarnt, Medikamente über das Internet einzukaufen. Jedes zweite online angebotene Produkt sei eine Fälschung.
"Aufgrund der hohen Gewinnspannen und der vergleichsweise niedrigen Strafandrohung ist der Schmuggel von Arzneimitteln inzwischen auch für Banden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität ein lukrativer Markt geworden", sagte Wolfgang Schmitz, Sprecher des Zollkriminalamtes.
Bis 2004 waren Verkauf und Vertrieb von Arzneimitteln über das Internet im Wege des Versandes grundsätzlich verboten, von daher waren die kriminellen Versandhäuser auch leichter aufzuspüren. Nach der Zulassung des Versandhandels in Deutschland sei kaum noch erkennbar, ob hinter dem Absender eine illegale Quelle oder eine zugelassene Apotheke steht.
Wie Harald Schweim, Leiter des Lehrstuhls Drug Regulatory Affairs der Universität Bonn, ausführte, würden mit Arzneimittelfälschungen hohe Gewinnspannen erzielt. Der Profit sei teilweise sogar höher als bei der Produktion von Rauschgift.
Um die Plagiate besser erkennbar zu machen, müssten fälschungssichere Verpackungen zur Pflicht gemacht werden, forderte die Präsidentin der Apothekerkammer Magdalene Linz. Ein entsprechendes Pilotprojekt führt die EU-Kommission derzeit in Schweden durch.
Aktuell machen Verfahren wegen der illegalen Einfuhr von Arzneien fast ein Drittel der Arbeit des Zolls aus, hieß es. Allein 2008 wurden demnach 2,8 Millionen Tabletten beschlagnahmt - Tendenz steigend. Aber auch innerhalb Deutschlands würden zunehmend Plagiate hergestellt.
"Das hohe Dunkelfeld und insbesondere der Tod einer niedersächsischen Schülerin nach der Einnahme eines Präparates mit in Deutschland verbotenen Wirkstoffen war für das Landeskriminalamt Anlass, einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung dieses Phänomens zu setzen und sich unter anderem an der internationalen Operation Pangea II zu beteiligen", führte Wolfgang Kluwe, der leitende Kriminaldirektor vom Landeskriminalamt Niedersachsen, aus.
Die 19-Jährige starb, weil sie abnehmen wollte und den stärksten Fettverbrenner DNP (Dinitrophenol), ein in Europa nicht zugelassenes Präparat, vermutlich zu Schwarzmarktpreisen gekauft hatte. Schon bei geringster Überdosierung führt diese Diätpille zum Tod, hieß es.
Experten raten nachdrücklich bei Internetbestellungen vorher die Seriosität des Anbieters zu überprüfen. Das deutsche Institut für Medizinische Dokumentation (DIMDI) hat auf seiner Homepage eine Liste der geprüften und registrierten Versandapotheken veröffentlicht.
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