VZ-Datenaffäre: Schweigegeld statt Erpressung?

Recht, Politik & EU Der Anwalt des jungen Mannes, der mutmaßlich wegen Erpressung der VZ-Netzwerke in Untersuchungshaft saß und sich dort das Leben nahm, hat sich nun zu Wort gemeldet und erhebt schwere Vorwürfe gegenüber dem Social Network-Betreiber und den Medien. "Die Medienberichterstattung hat sich sehr einseitig und fast ausschließlich mit dem 'Datenklau' beschäftigt", so der Anwalt Ulrich Dost. Ein solcher liege aber nicht vor. Die hier relevanten Daten seien von den Nutzern selbst, offen einsehbar für jedermann ins Netz gestellt und in keiner Weise verschlüsselt worden.

"Ein Ausspähen von Daten im strafrechtlichen Sinn ist nur dann gegeben, wenn die Daten besonders gesichert sind und sie sich ein Unbefugter durch Überwindung der Zugangssicherung verschafft", erklärte Dost. Dies sei hier nicht der Fall, weshalb die Staatsanwaltschaft auch kein Ermittlungsverfahren unter diesem Vorwurf einleitete.

Vielmehr wurde wegen einer möglichen Erpressung ermittelt. Verschiedenen Berichten zufolge soll der Beschuldigte 80.000 Euro gefordert und die Veröffentlichung der Daten angedroht haben. "Jedoch gibt es seitens der Verteidigung Hinweise darauf, dass eine Erpressung nicht versucht wurde", erklärte Dost nun.

Statt dessen soll es im Vorfeld ein "unbeziffertes Zahlungsangebot" durch Mitarbeiter des VZ-Betreibers gegeben haben. Der Anwalt interpretiert dies so, dass möglicherweise ein Schweigegeld gezahlt werden sollte, damit nicht durch das Bekanntwerden der Datensammlung ein Ansehensverlust unter den Nutzern der VZ-Plattformen entsteht.

Für Dost stehe zumindest fest, dass der Beschuldigte "seine Fähigkeiten austestete, aber ohne jeden kriminellen Hintergrund handelte". Er geht davon aus, dass ein Verfahren mit einem Freispruch geendet hätte.

Die Betreiber der VZ-Netzwerke weisen den Vorwurf, dass es statt einer Erpressung um ein Schweigegeld ging, allerdings zurück. Firmenchef Markus Berger-de León bezeichnete Dosts Stellungnahme als "ebenso unglaublich wie haltlos". "Die Beurteilung und Handhabung des Falls lag und liegt aber bei den zuständigen Behörden", fuhr er fort.
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