Ex-Telekom-Chef: "Ich war nie im Leben so unfrei"

Personen aus der Wirtschaft Offen wie nie hat der ehemalige Chef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, über seine Zeit an der Spitze des Konzerns gesprochen. Vier Jahre - bis zum November 2006 - hatte er die Position inne.

"Ich war in meinem Leben noch nie so unfrei wie in den letzten Jahren bei der Telekom", sagte Ricke in einem Interview für das Buch "Die da oben". Das Wirtschaftsmagazin 'Capital' druckt das Interview in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe vorab.


Er habe damals Freiheit mit Macht verwechselt, so Ricke. Dabei bedeute Freiheit, unabhängig zu sein. Wenn man das geschafft habe, gehe es einem gut. Dazu müsse man berücksichtigen, dass im übergeordneten Sinne nichts wichtig ist, auch man selbst nicht.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende berichtet über eine Kultur des Misstrauens in den Topetagen. "Je höher man steigt, um so misstrauischer muss man sein, weil jeder, der um die Ecke kommt, im Zweifel etwas will." Misstrauen müsse dabei nicht in erster Linie den Verrat von Geschäftsgeheimnissen bedeuten, sondern häufig viel profanere Dinge.

"Dass man bei jedem, mit dem man zu tun hat, irgendeinen Hintergedanken vermuten muss. Man kriegt ja von überall her E-Mails, wird dauernd von irgendwem benutzt." Da fange man an, sich abzuschotten. "Dann wird es potenziell einsam", so Ricke. Bei all dem müsse man sich davor hüten, in der Unternehmensführung sein Verhalten nicht als Schauspielkunst zu begreifen, dann werde es gefährlich.

Als großes Glück bezeichnete Ricke, der heute Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten ist und für Private Equity-Firmen arbeitet, dass er "den Job relativ jung machen durfte und gesund wieder herausgekommen" sei. Einer von Rickes Vorstandskollegen war seinerzeit im Alter von 47 Jahren einem Herzinfarkt erlegen.

Im Rückblick zeigte sich Ricke dennoch froh, die Aufgabe als Vorstandsvorsitzender übernommen zu haben: "Es ist eine Riesenerfahrung, ist ein Segen, wirklich ein Segen. Ein unglaubliches Glück." Selbstkritisch fügte er hinzu, dass man die Rolle, die man bekommen hat, auch ausfüllen wollen müsse: "Ich war nicht verliebt genug in die Rolle des Telekom-Chefs. (...) Ich hätte meine Persönlichkeit stärker (...) zur Schau stellen sollen." Das Buch "Die da oben" von Jan Heidtmann und Barbara Nolte erscheint Ende Oktober im Suhrkamp Verlag.
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Eigentlich müsste es am Ende der Überschrift News "unfair" heißen. Würde gut passen.
 
@EL LOCO: DIE WELT IST WIE EIN BAUM VOLLER AFFEN: Die, die von oben nach unten schauen, sehen nun grinsende Gesichter. Die, die von unten nach oben schauen, sehen nur Ar***lö**er...
 
@pubsfried: Ein genialer Spruch! Erinnert mich sehr an "Niveau sieht von unten aus wie Arroganz" ^^ Den merk ich mir :D
 
@EL LOCO: Alle kämpfen mit den gleichen Mitteln - Beschiss, Verleumdung, Denunziation - da oben gibt es keine Freunde - nur Seilschaften - und jeder hat das Messer in der Hand um sich schnell vom anderen loszuschneiden können. Unfairness ist da oben in Reinkultur zu finden - und genau deswegen geht es den Mitarbeitern solcher Firmen so mies - was will man auch von einer Geschäftsleitung erwarten die immer Bereit ist, zum eigenen Vorteil über Leichen zu gehen ? UND der liebe Herr Ricke hat die Position auch nicht dadurch erreicht, dass er der Fleißigste war - sondern mit den Branche üblichen Mitteln, nach unten Treten und nach oben Zucker in den Ar.... blasen.
 
Na dann doch besser das "System Volkswagen".


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