Forscher: Anonymisierung von Daten ist eine Illusion
Paul Ohm, ein Juraprofessor aus den USA, hat in einem neuen Forschungspapier nachgewiesen, dass eine Anonymisierung von großen Datenbeständen eine Wiedererkennung Einzelner kaum verhindert.
Viele Unternehmen sammeln große Datenbestände, die sie analysieren, um ihr Geschäft weiterzuentwickeln. Insbesondere Internet-Firmen kommen recht leicht an wichtige Informationen über ihre Nutzer. So speichert Google beispielsweise über längere Zeiträume Daten über das Such- und Nutzungsverhalten, um seinen Index weiter zu verbessern.
Um den gesetzlichen Ansprüchen des Datenschutzes zu genügen, werden solche Daten in der Regel anonymisiert, also beispielsweise in einer separaten Datenbank ohne direkten Bezug auf ein bestimmtes Nutzerkonto oder eine IP-Adresse abgespeichert. Laut Ohm verhindert dies aber keinesfalls, dass die Daten nicht doch einem konkreten Anwender zugeordnet werden können.
Das Problem liegt dabei nicht einmal immer an der anonymisierten Datensammlung an sich - auch wenn es hier vorkommen kann, dass bestimmte Merkmale doch noch Rückschlüsse auf einzelne Nutzer zulassen. Wie etwa bei den vor einiger Zeit von AOL veröffentlichten Aufzeichnungen über das Suchverhalten von Usern, bei denen Einzelne identifizierbar waren, weil zwar ihre IP-Adresse aus dem Bestand gelöscht war, sie aber nach ihrem eigenen Namen und anderen spezifischen Interessen gesucht hatten.
Nahezu immer ist aber eine Identifizierung möglich, wenn man das Datenmaterial mit anderen Quellen abgleicht, so Ohm. Dies zeigte er beispielhaft an einer Sammlung, die von der Online-Videothek Netflix veröffentlicht wurde. Auch hier war das Leihverhalten nur einzelnen Kennnummern zugeordnet, Namen, Adressen und andere sensible Daten wurden aber gelöscht.
Informatiker glichen diese Datenbank dann aber mit den Nutzerprofilen der Filmdatenbank IMDB.com ab. Ein Abgleich, wer wann welche Filme kommentiert und bewertet hatte ermöglichte Rückschlüsse darauf, welchem Nutzer ein Ausleih-Profil von Netflix zuzuordnen ist.
Solche Versuche zerstören das Bild, dass man sich bisher beim Umgang mit Datenschutz über die Anonymisierung machte, so Ohm in seinem Forschungspapier. "Die Fortschritte bei der Reidentifizierung zeigen, dass die abgegebenen Versprechen oft eine Illusion sind", so der Wissenschaftler. Sein Fazit: "Daten können entweder nutzbringend oder anonymisiert abgespeichert werden - niemals aber beides."
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