G-Lab: Forscher arbeiten am Internet der Zukunft

Forschung & Wissenschaft Netzwerk-Forscher der Technischen Universität München (TUM) entwickeln derzeit zusammen mit Wissenschaftlern von fünf weiteren deutschen Universitäten eine Art Testlabor für das Internet, ein Experimentalnetz. In diesem sollen neue Internet-Techniken in einer realistischen Umgebung erprobt werden können. Jetzt fiel der Startschuss für das "G-Lab", das vom Bundesforschungsministerium mit elf Millionen Euro gefördert wird. Es soll dazu beitragen, dass das 40 Jahre alte Netz, das technisch an seine Grenzen stößt, modernisiert werden kann.

Als 1969 der Vorläufer des Internets, das ARPANET, entstand, rechnete niemand damit, dass sich die neue Technik zum Datenaustausch einmal zu einem weltweiten Massenmedium entwickeln würde. Die Wissenschaftler, die das sehr überschaubare Computernetz nutzten, kannten sich untereinander, die Sicherheit persönlicher Daten zum Beispiel spielte kaum eine Rolle.

Heute stößt das Internet an seine Grenzen: Die IP-Adressen der Netzteilnehmer, mit denen die Datenströme ihre Adressaten finden, reichen beispielsweise nicht mehr für die weltweit mehr als eine Milliarde Menschen aus, die das Internet nutzen.

Auch für Handys und andere mobile Internetgeräte sind die IP-Adressen eigentlich nicht ausgelegt: Sie übermitteln gleichzeitig, wer im Internet ist und wo sich derjenige innerhalb des Netzes befindet - ein Nutzer, der erst in einem Hotspot surft und dann zuhause an das Festnetzkabel geht, welchselt damit nicht nur den Ort, sondern gleichzeitig auch seine Identität.

Für diese Probleme wie auch für die Sicherheit gibt es heute Lösungen, die nachträglich entwickelt und in die Internettechnologie integriert wurden. Doch diese Lösungen zogen andere technische Probleme nach, für die dann wiederum weitere Lösungen entwickelt werden mussten.

"Technisch gesehen ist das Internet ein Flickenteppich", sagte Professor Jörg Eberspächer vom Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der Technischen Universität München. Er entwickelt zusammen mit Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Karlsruhe und der Technischen Universitäten Berlin, Darmstadt und Kaiserslautern sowie Unternehmen der IT-Branche eine neue technische Basis für das Internet, die den Anforderung des weltweiten Massenkommunikationsmediums besser entspricht.

Dazu bauen die Projektpartner ein deutschlandweites Experimentalnetz auf, das German Lab, kurz: G-Lab, eine Art Test-Umgebung, in der Netzwerk-Architekturen aus Soft- und Hardware unter realistischen Bedingungen erprobt werden können. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, wie das technische Gerüst Nutzungsanwendungen unterstützt. Der Lehrstuhl von Eberspächer ist mit einem Cluster von 25 Rechnern in das G-Lab-Netz eingebunden.

Das G-Lab wird in seiner ersten Projektphase bis 2011 vom Bundesforschungsministerium mit 3,8 Millionen Euro und in einer zweiten Phase mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Das Experimentalnetz ist dabei Teil der internationalen Bemühungen, das Internet technisch zukunftsfähig zu machen. Mit dem G-Lab können sich Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschand ähnlich wie vergleichbaren Experimentalnetzen in den USA und in Japan aktiv an der Erforschung künftiger Internet-Standards beteiligen.
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