Netzsperren-Gesetz: Koalition im Rückwärtsgang

Recht, Politik & EU Nach massiven Protesten gegen die geplante Einführung von DNS-Sperren im Kampf gegen Kinderpornographie befindet sich die Regierungskoalition offenbar klar in der Defensive.

Zwar rückt man bislang noch nicht gänzlich von den Plänen ab, die von Internet-Aktivisten und vielen Experten als unzureichend oder sogar kontraproduktiv bewertet werden, der entsprechende Gesetzentwurf wurde aber weitgehenden Änderungen unterworfen.


So wich man inzwischen davon ab, die Netzsperren als Bestandteil des Telemediengesetzes zu beschließen. Ein eigenständiges Gesetz, in dem klar geregelt wird, dass ausschließlich kinderpornographische Angebote gesperrt werden sollen, soll Befürchtungen über den Aufbau eines allgemeinen Zensursystems entgegenwirken.

Klicks auf Links, die auf die Stoppschild-Seite der Regierung führen, sollen nun auch nicht mehr ausgewertet und für die Strafverfolgung genutzt werden. Kritiker hatten angemerkt, dass unbescholtene Bürger sonst bei jedem Klick auf eine unbekannte URL Gefahr liefen, ins Visier der Ermittler zu kommen.

Die Sperrlisten sollen außerdem von einem Gremium überprüft werden, das aus fünf Mitgliedern besteht, von denen mindestens drei Richter sein sollen. Die Gültigkeit des Gesetzes ist außerdem befristet: Nach drei Jahren läuft es automatisch aus. Dann sollen die Erfahrungen ausgewertet und darüber entschieden werden, ob solche Maßnahmen im Kampf gegen Kinderpornographie sinnvoll sind. Die Beschlussfassung im Bundestag ist für Donnerstag geplant.
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Soviel Lernfähigkeit und Rücksicht auf Protest hätte ich unseren Politikern kaum zugetraut.
 
@satyris: Lernfähigkeit? Wo bitteschön hat hier wer was gelernt? man ändert hier kleine Details wie z.B. dass die Sperrlisten min. Vierteljährig(!) stichprobenartig(!!) geprüft werden sollen. Aber gegenüber dem eigentlichen Problem, das hier nur die Symptome versteckt werden anstelle der Daten gelöscht werden sollen, steht man völlig beratungsresistent gegenüber @winfuture/Christian Kahle von Rückwärtsgang kann keine Rede sein
 
@thargorwetton: Ich gebe dir vollkommen recht, was das eigentliche Problem angeht. Aber die Beschränkung auf ausschließlich kinderpornographische Angebote, keine Auswertung der Stopschild-Links und eine festgeschriebene Befristung auf drei Jahre mit anschließender Neubewertung finde ich schon große Schritte in die richtige Richtung.
 
@thargorwetton: Das ist so nicht richtig. Eine der Änderungen besagt auch das die Stoppschilder erst dann kommen sollen, wenn vorherigen Anfragen an die Provider/Betreiber der Seiten nicht zur Löschung der Inhalten/Abschaltung der Seiten geführt hat. Nachzulesen bei Spiegel Online.
 
@satyris: Bei der Sache darf es keine Kompromisse geben. Keiner sagt dass nur weil das ganze nicht mehr im Telemediengesetz ist nicht trotzdem bald neue Gesetze kommen könnten sobald sich die Bevölkerung an die Filterung gewöhnt hat. Und wie schon thargorwetton gesagt hat - das eigentliche Problem, nämlich dass des Wegsehens - bleibt bestehen. Natürlich ist das Gesetz nun etwas entschärft - aber ich mißtraue der Politik, sicher haben sie es extra dumm und dreist gemacht damit dann jetzt jeder Kompromissbereit ist und sie die Scheiße einführen können wie sie eigentlich geplant war. In der Politik wird immer soviel verlangt dass andere bereit sind sich in der Mitte zu treffen - wie beim feilschen halt, lieber sehr hoch einsteigen um dann runterzugehen und trotzdem ein gutes Geschäft zu machen. Es darf keine Filterung geben, die Temperatur vom Wasser des Frosches im Glas nicht weiter langsam erhöht werden - weg mit dem Zensur-Scheiß, her mit verstärkter Ermittlung gegen die Betreiber von KiPo-Seiten.


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