Sicherheitsrisiko: Nadeldrucker in Praxen & Banken

Parallel zu den wissenschaftlichen Untersuchungen gab Professor Backes außerdem eine repräsentative Umfrage bei einem Meinungsforschungsinstitut in Auftrag. Er wollte herausfinden, wie häufig Nadeldrucker heute überhaupt noch in Arztpraxen und Banken verwendet werden und welche vertraulichen Daten damit gedruckt werden.

Die Ergebnisse waren überraschend: Rund 60 Prozent der Arztpraxen gaben an, dass sie Nadeldrucker einsetzen, bei den Banken waren es immerhin noch 30 Prozent. Letztere verwenden die Nadeldrucke in 70 Prozent der Fälle dafür, Kontoauszüge ausdrucken. Auch beim weiteren Einsatz in anderen Bereichen der Banken werden fast nur vertrauliche Daten ausgedruckt.

Ähnlich sieht es bei den Arztpraxen aus. Dass bei ihnen der Einsatz noch viel höher ist als bei den Banken, hängt unter anderem mit den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes zusammen. Rezepte etwa für starke Schmerzmittel müssen laut Gesetz mit Durchschlag ausgedruckt werden.

Von den befragten Arztpraxen, die Nadeldrucker einsetzen, gaben 80 Prozent an, dass sie auch allgemeine Rezepte damit ausdrucken, rund 70 Prozent benötigen sie für Betäubungsmittel-Rezepte und immerhin 40 Prozent nutzen sie zusätzlich, um Patientenakten auszudrucken. Auch beim weiteren Einsatz in anderen Bereichen geht es fast ausschließlich um sensible Daten wie etwa um Laborergebnisse oder der Einweisung von Patienten in Krankenhäuser. Rund drei Viertel der Arztpraxen bestätigen außerdem, dass sie die Nadeldrucker in Hörweite von Patienten installiert haben.

Um zu beweisen, dass man - als Patient getarnt - sensible Daten in Arztpraxen erlauschen kann, führten die Saarbrücker Wissenschaftler einen angekündigten Live-Test in einer Arztpraxis durch. Sie nahmen bei laufendem Praxisbetrieb verschiedene Rezeptausdrucke auf. Mit sechs Rezepten trainierten sie ihr Programm auf den verwendeten Nadeldrucker, beim siebten Rezept konnten sie das verschriebene Medikament rein über die Druckergeräusche herausfinden.

Informatik-Professor Backes geht nicht davon aus, dass diese ungewöhnliche Spionagemethode in der Praxis bereits angewendet wird. Er warnt jedoch davor, dass mit diesem Verfahren - wie vor einigen Monaten geschehen - Patientenakten im Internet auftauchen könnten oder man vertrauliche Bankdaten von Unternehmen erkunden könne.
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