Keine Beweise? Klage gegen AllOfMp3.com gestoppt

Internet & Webdienste Nachdem die Musikindustrie im vergangenen Jahr mit allen Mitteln gegen das russische Musik-Download-Portal AllOfMp3.com vorgegangen war, wurde die von den vier großen Plattenfirmen angestrengte Klage wegen Urheberrechtsverletzungen nun zurück gezogen. Sony BMG, Warner Music, Vivendi und EMI hatten im Dezember 2006 eine Klage gegen AllOfMp3.com eingereicht, weil man dem russischen Portal massive Verstöße gegen das Urheberrecht vorwarf. Warum die Plattenfirmen ihre Klage nun freiwillig zurück gezogen haben, wurde nicht bekannt.

Ein Sprecher der Recording Industry Association of America (RIAA), der wohl wichtigsten Lobbyorganisation der Musikkonzerne, erklärte aber gegenüber dem US-Nachrichtensender Bloomberg, dass AllOfMp3.com mittlerweile nicht mehr funktioniert und sein Geschäft eingestellt hat - seinen Angaben zufolge alles Ergebnis einer erfolgreichen Anti-Piraterie-Initiative.

Die Musikkonzerne hatten AllOfMp3.com einst vorgeworfen, durch die Verbreitung von Musik-Downloads zu besonders günstigen Preisen gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Die Betreiber des Portals hatten stets dagegen gehalten und behauptet, sie würden die in Russland - wo sich der Firmensitz befand - üblichen Urheberrechtsabgaben zahlen.

In ihrer Klage hatten die Labels behauptet, dass AllOfMp3.com ein "riesiger Schwarzmarkt" sei, der jährlich 30 Millionen US-Dollar durch illegale Downloads verdiene. Die Aufregung um das Portal ging sogar soweit, dass die Bush-Regierung damit drohte, ihr Veto gegen Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation einzulegen, wenn es nicht geschlossen würde.

Tatsächlich gab es aber offenbar wenig, was man den Betreibern letztlich an Rechtsverstößen nachweisen konnte. Der Besitzer des Angebots, Denis Kvasov, wurde schon im August 2007 von einem Moskauer Gericht frei gesprochen - aus Mangel an Beweisen. Heute werden über AllOfMp3.com lediglich Nachrichten zum Gebahren der Musikindustrie verlinkt.

Nach Angaben des Anwalts von MediaServices, dem Unternehmen, das AllOfMp3.com betrieb, hatten die Musikfirmen das Verfahren ohnehin nie richtig auf den Weg gebracht. Ihre Entscheidung, die Klage nun zurück zu ziehen, sei vielleicht ein "seltener Sieg der Vernunft", ließ er verlauten. Inzwischen betreibt das Unternehmen ein neues Angebot namens MP3Sparks.
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