Experte: Microsoft muss sich auf Software besinnen

Microsoft Microsoft hat sein Angebot für eine Übernahme des Internetkonzerns Yahoo aufgegeben. Für viele Beobachter stellt dies ein endgültiges Zeichen für das Scheitern der Webstrategie der Redmonder dar. Der Eiertanz um den Kauf von Yahoo half letztlich nur dem ohnehin schon dominanten Konkurrenten Google. Ein Wirtschaftsexperte, der sich seit Jahren mit Microsoft, dessen Geschäftspraktiken und der Softwareindustrie im Allgemeinen auseinander setzt, fordert nun, dass sich die Redmonder endlich wieder auf ihren Hauptschwerpunkt zurück entsinnen - die Entwicklung von Software. Die Übernahme von Yahoo sei ohnehin keine gute Idee gewesen.

Michael Cusumano, Professor an der Sloan School of Management des Massachussetts Institute of Technology (M.I.T.), erklärte gegenüber dem Seattle Post-Intelligencer, wie Microsoft sich trotz des Scheiterns der Yahoo-Übernahme besser gegen Google behaupten könnte. Seiner Meinung nach muss vor allem endlich ein neuer Suchalgorithmus dafür sorgen, dass die Microsoft-eigene Websuche an Attraktivität gewinnt und so mehr Nutzer auf die Seiten des Unternehmens lockt, was wiederum steigende Werbeeinnahmen mit sich bringt.

Sollte dies nicht gelingen, so sieht Cusumano das Anbieten von Onlinediensten, die Verbindungen zu Microsofts Anwendungen auf dem Desktop haben, als eine weitere Möglichkeit. Unter anderem sei denkbar, Office als Webversion mit Werbung anzubieten oder eben anderen Microsoft-Produkten einen ergänzenden Onlinedienst zur Seite zu stellen.

Weitere Möglichkeiten, neue Einnahmen aus dem Onlinegeschäft zu erschließen sieht Cusumano in einem Ausbau von Microsofts erfolgreicheren Webdiensten wie Hotmail. Auf diese Weise ließen sich mehr Werbetreibende gewinnen, so der Wirtschaftsexperte. Ähnliches habe Microsoft wohl auch mit Yahoo vorgehabt, doch an sich sei die Übernahme ohnehin nicht sinnvoll gewesen.

Yahoo ist laut Cusumano derzeit eher ein schwindendes Überbleibsel der ersten Hochphase des Internets, für das Microsoft hätte draufzahlen müssen. Die meisten Werbeeinnahmen ließen sich aktuell ohnehin eher mit Sozialen Netzwerken erzielen. Insgesamt sei die Zukunft von Yahoo düster. Cusumano rechnet mit einem stark Einbruch der Aktienkurse des Unternehmens, was letztlich einen späteren Einstieg Microsofts zu einem wesentlich niedrigeren Preis wieder möglich machen würde.

Der Kauf von Yahoo sei dann zwar vielleicht noch sinnvoll, weil man schnell viele gut besuchte Webportale - also Werbeflächen - erwerben würde, generell sieht Cusumano Microsofts Zukunft aber vorerst nicht als Google-Konkurrent. Die Stärke der Redmonder liege vor allem bei Softwareprodukten, Anwendungen und Plattformen.

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