Wer ist Schuld am Windows Vista Sticker-Desaster?

Windows Vista Microsoft muss sich in den USA derzeit mit einer Sammelklage auseinander setzen, die dem Unternehmen vorwirft, den Kunden beim Kauf eines PCs durch das "Vista Capable" Logos auf leistungsschwachen Systemen vorgegaukelt zu haben, dass diese alle Funktionen und Fähigkeiten von Windows Vista unterstützen. Nachdem Ende Februar bereits Dokumente zu dem Verfahren freigegeben wurden, die nahe legen, dass Microsoft die Anforderungen für die Vergabe des "Vista Capable" Logos auf Druck des Chipherstellers Intel herabgesetzt hat, sind nun neue Informationen an die Öffentlichkeit gelangt, wonach eine Mitschuld am "Vista-Capable"-Fiasko auch beim Handel zu suchen sein dürfte.

Die nun von der zuständigen Richterin freigegebenen Papiere enthalten unter anderem E-Mails, in denen teilweise ranghohe Mitarbeiter von Microsoft mit Vertretern von großen US-Einzelhändlern und verschiedenen Hardwareherstellern über die Gestaltung der Vista Logo-Programme diskutieren.

Unter anderem finden sich darin Hinweise darauf, dass einige OEM-Fertiger und US-Händler wie die Elektronikkette Best Buy Druck auf Microsoft ausübten, die Unterstützung für das Windows Vista Device Driver Model (WVDDM) nicht zu einer zwingenden Voraussetzung für die Vergabe der Vista-Logos zu machen.

Diese wird vorausgesetzt, wenn die Aero-Oberfläche von Vista mit ihren Glass-Effekten genutzt werden soll. Genau dies ist einer der Hauptpunkte der Sammelklage. Der E-Mail-Verkehr zwischen Microsoft und seinen Partnern zeigt, dass die Logo-Programme keineswegs zur Orientierung der Anwender beim Kauf eines neuen PCs gedacht gewesen sein dürften, sondern eher zum Abverkauf von Rechnern mit älterer Hardware.

Offenbar hatten die Hersteller und Händler Angst, dass die Kunden vom Kauf eines neuen PCs zurückschrecken würden, wenn dieses nicht als Vista-fähig gekennzeichnet ist. Aus den E-Mails geht hervor, dass Microsoft im Vorfeld abwägen musste, ob es verschiedene Vista Logo-Programme geben würde.

Als die Redmonder feststellten, dass zur für den Handel kritischen Weihnachtssaison 2006 wohl nur wenige Systeme auf dem Markt sein würden, die Vista in vollem Umfang unterstützen, entschied man sich für das zweistufige Logo-Programm, das heute Ziel der Sammeklage ist.

Schlussendlich liegt die Hauptursache für die Verwirrung um die Logo-Programme aber weiterhin bei den sehr beschränkten Fähigkeiten des Intel 915 Chipsatzes, der extrem verbreitet ist und so - zusammen mit dem Wunsch des Handels, nicht auf den mit ihm ausgestatteten Laptops sitzen zu bleiben - die Einführung eines Logo-Programms mit weniger anspruchsvollen Voraussetzungen überhaupt erst notwendig machte.

Seit der letzten Woche müssen sich deshalb nun auch die Hardwarehersteller Acer, Dell, Hewlett-Packard, Intel, Sony & Toshiba sowie US-Einzelhändler wie Amazon und Wal-Mart in dem Fall äußern. Die zuständige Richterin verlangt von den Unternehmen die Herausgabe ausführlicher interner Dokumente. Selbst Microsofts ehemaliger Windows-Chef Jim Allchin erhielt eine Vorladung.

Die Klage wurde bereits im April 2006 eingereicht. Die Kläger behaupten, dass Windows Vista in der Variante Home Basic keine vollwertige Ausgabe von Microsofts Betriebssystem ist, weil in dieser Version einige von den Redmondern besonders beworbene Funktionen wie die Aero-Glass-Oberfläche nicht unterstützt werden. Verantwortlich für das Desaster ist Microsoft wohl vor allem selbst, schließlich hatte man sich dem Druck der Partner gebeugt.
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