Microsofts "Mesh" soll Web, PC & Geräte verknüpfen

Microsoft In der letzten Woche fand nicht nur die weltgrößte Computermesse CeBIT statt, sondern auch Microsofts Entwicklerkonferenz MIX08. Neben der Veröffentlichung der ersten Betaversion des Internet Explorer 8 gab es auf der Veranstaltung in Las Vegas eine weitere wichtige Neuerung, die Microsoft zum Thema auserkoren hatte.

Besonders Microsofts Chief Software Architect Ray Ozzie sprach extrem häufig vom so genannten "Mesh", zu deutsch wohl am Besten mit "Gewebe" zu übersetzen. Dahinter stehen Microsofts Pläne, das Internet, seine Software, die Endgeräte und den Anwender selbst enger zu verknüpfen. Für Ozzie geht es um "Soziale Netze", "Geräte-Netze" und das "übergangslose Netz" im Allgemeinen.

Ziel ist es, die Synchronisation diverser Internetgeräte des Anwenders mit den eigenen Daten von jedem Ort der Welt über das Internet zu ermöglichen. Dadurch soll eine Art "Internet der Dinge" entstehen, das all die technischen Geräte mit einander verbindet, sie zentral mit Daten versorgt und deren Austausch ermöglicht.

Auf der MIX08 ließen Ozzie und Kollegen während einiger Vorträge durchblicken, wie Microsofts "Mesh" realisiert werden soll und was sich "unter der Haube" verbirgt. Konkrete Angaben blieben allerdings wie so oft eher spärlich gesät, so dass einiger Spielraum für Spekulationen bestehen bleibt.


Fest steht, dass drei wichtige Teile zu Microsofts Online-Gewebe gehören sollen. Dabei handelt es sich unter anderem um Microsofts so genanntes Sync Framework, eine Art Software-Zwischenebene für die Übertragung und Synchronisierung von Daten mit diversen Endgeräten und dem Internet. Es geht also um die Synchronisierung mit On- und Offlinedaten mit dem weltweiten Netz.

Die zweite wichtige Säule ist Microsoft Feedsync. Feedsync ist eigentlich eine ganze Reihe von Erweiterungen der Feed-Technologien RSS und ATOM, das deren Nutzung in Peer-to-Peer-Systemen ermöglicht. Enthalten sind auch diverse Funktionen für die Erstellung und Nutzung von Daten-Feeds aller Art, die von jeder beliebigen Anwendung für spezifische Zwecke genutzt werden können.

Die dritte bisher bekannte Komponente ist ein Microsoft-Projekt mit der Bezeichnung "Horizon". Dieses ist unter der passenden URL "Mesh.com" zu finden und stellt eine Kombination der Funktionalitäten von Microsofts Diensten FolderShare und SkyDrive dar. Während FolderShare für die Synchronisierung und gemeinsame Nutzung von Daten auf dem Desktop gedacht ist, ermöglicht die Online-Festplatte SkyDrive ähnliches auf Online-Basis. Horizon kombiniert diese Funktionen - mehr wollte Microsoft bisher nicht preisgeben.

Das Sync Framework ist eigentlich der wichtigste Teil der Pläne der Redmonder. Die Software, deren einwandfreie Funktion zur Synchronisierung aller Daten zwischen PC, Handy, anderen Geräten und dem Internet essentiell ist, soll noch in diesem Jahr fertig werden. Microsoft will die Plattform dann auch an Dritte lizenzieren, so dass deren Software und Geräte ebenfalls damit arbeiten können.

Grundsätzlich handelt es sich nach Angaben von Neil Padgett, Programm-Manager für das Sync Framework, um eine Möglichkeit, "einen lokalen Datenpuffer mit einem entfernten Endgerät synchron zu halten". Dies sei nur mit viel Aufwand zu realisieren, da der Teufel oft im Detail steckt, so Padgett weiter. Vor allem die Suche nach den richtigen Algorithmen sei problematisch.

Das Sync Framework soll laut Padgett extrem vielseitig sein. Es kann mit Datenquellen und Daten jeder Art umgehen, erklärte er während der MIX08. So kann jeder Programmierer seine Software Daten liefern lassen, egal ob diese auf dem Desktop, auf einem Server im Internet oder einem Endgerät wie zum Beispiel einer Digitalkamera oder einem MP3-Player läuft.

Erst zur Professional Developers Conference (PDC) im Oktober will Microsoft ausführlich über die Pläne für sein "Mesh" oder "Gewebe" sprechen. Bis dahin ist also noch einige Geduld notwendig. Interessant ist allerdings, dass die ersten Details zu dem Vorhaben stark an einige geplante Funktionen des mittlerweile eingestampften Dateisystems WinFS erinnern.
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Das "übergangslose Netz" macht mir in Zeiten von Onlinedurchsuchungen und Cyberkriminalität mehr Angst als Lust. Besser man kapselt seinen PC ab und trennt sich von "großen" Netz, damit Privatsphäre und Bankdaten auch in Zukunft geheim bleiben.
 
Schon klar das die Industrie versucht uns vom Web abhängig zu machen, wo es nur geht. Aber automatisches Synchronisieren, ohne das man den Überblick behäält, was sich wie mit wem und wo austauscht, ist doch irgendwie zumindest so ein Ding, wo man mal nachdenken sollte, ob man es wirklich brauch. Früher gings ja auch. Nicht das ich Fortschrittsverweigerer bin, aber diese "ich muss alle Daten immer und überall parat haben" - soll das die Heranzüchtung von workaholics die 24 stunden am tag lang arbeiten begünstigen? die Gesellschaft ist ja nun schon schnelllebig genug und man kommt kaum noch zur Ruhe. Das kann doch nicht gesund sein
 
Und ich Depp dachte es ginge um iMesh. Obwohl, soweit entfernt sind sie davon auch nicht mehr. :P
 
@Roland Quandt: WinFS ist kein Dateisystem, sondern ein Dateisystem-Ausatz für NTFS.. Ein kleiner aber feiner Unterschied :)
 
Wie kommt ihr eigentlich dazu, Mesh mit "Gewebe" zu übersetzen? Heisst doch ganz einfach "Netz" (oder Masche, oder Schlinge, aber Gewebe?)…


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