Open-Source-Szene traut Microsofts Offenheit nicht

Microsoft Microsofts Ankündigung, sich künftig für industrieweite Standards einzusetzen und verstärkt gegenüber der Open-Source-Szene zu öffnen, sorgt bei deren Befürwortern zwar einerseits für Optimismus, dennoch bleibt die Skepsis angesichts des bisherigen Verhaltens des Konzerns groß. Auch bei der EU ist man vorsichtig, was Microsofts erneute Versprechen zur Offenlegung diverser Protokolle angeht. Man sei zwar über jedweden Schritt hin zu mehr Interoperabilität erfreut, doch in der Vergangenheit habe Microsoft bereits mindestens vier Mal ähnliche Ankündigungen gemacht, die bisher kaum Verbesserung gebracht haben.

Dass Microsoft mit seinen Plänen für mehr Offenheit und Interoperabilität auch versucht, den bei der EU jüngst eingegangenen Wettbewerbsbeschwerden zumindest teilweise den Wind aus den Segeln zu nehmen, gab das Unternehmen schon während der Pressekonferenz zu, auf der man die neue Firmenpolitik vorstellte.

Erst im Januar waren zwei neue EU-Untersuchungen eingeleitet worden, nachdem sich die von Microsoft-Konkurrenten gegründete Lobbygruppe ECIS (European Committee for Interoperable Systems) bei den Wettbewerbshütern beschwert hatte. Man wirft Microsoft vor, Informationen unrechtmäßig zurückgehalten zu haben, die Office, Server-Produkte und das .NET Framework betreffen.

Außerdem hatte der Browser-Hersteller Opera den Redmondern erneut zur Last gelegt, dass man den Internet Explorer illegalerweise mit Windows bündelt und so die Konkurrenz benachteiligt. Die Norweger wollen Microsoft mit ihrer EU-Beschwerde außerdem zur Einhaltung von Webstandards zwingen.

Bei den Entwicklern und Herstellern von Open-Source-Software stoßen Microsofts Pläne ebenfalls auf einige Skepsis. Zwar begrüßten einige prominente Vertreter freier Software, die Ankündigungen, was große, grundlegende Veränderungen angeht, ist man allerdings sehr vorsichtig.

Ein guter erster Schritt...
Jim Zemlin, Chef der Linux-Foundation, sagte, dass Microsofts Ankündigung deutlich mache, wie groß der Bedarf für eine Verbesserung der Interoperabilität mit freier Software ist. Einige Details müssten aber noch nachgebessert werden, da sie bisher nicht gerade vorteilhaft für Open-Source-Entwickler sind, so Zemlin. Immerhin sei der erste Schritt gemacht.

Michael Cunningham, Chef-Justiziar des Linux-Distributors Red Hat, sagte, dass man Microsofts Ankündigung mit einiger Skepsis gegenüber stehe. Würden die Redmonder beweisen wollen, dass sie es ernst meinen, sollten sie nicht länger versuchen, Open XML zum ISO-Standard für Office-Formate zu machen, sondern das OpenDocument Format unterstützen.

...aber lieber erstmal abwarten.
Außerdem müsse Microsoft seine Lizenzen so anpassen, dass sie mit der Open-Source-Lizenz GPL vereinbar sind oder zumindest das Open Specification Promise (OSP) auf die Interoperabilitätsinformationen ausdehnen. Das OSP sichert allen Entwicklern freier Software unter bestimmten Bedingungen Rechtssicherheit vor Patentklagen zu.

Der dritte Schritt, mit dem Microsoft seine Ernsthaftigkeit beweisen könne, ist laut Cunningham der Verzicht auf die Beschränkung des Versprechens, keine Klagen gegen Open-Source-Entwickler anzustrengen, die die neuen Informationen und Protokolle für ihre Software nutzen, auf nichtkommerzielle Projekte. Würde man dies auch bei kommerziellen Anbietern umsetzen, sei dies ein Zeichen für die Bereitschaft, in den Wettbewerb mit Open-Source zu treten.

Novell: Patentabkommen war richtig
Beim Linux-Anbieter Novell sieht man dies ähnlich. Microsoft habe zwar einen ersten Schritt gemacht, doch das Unternehmen müsse noch viel weiter gehen. Insgesamt sieht Novell sich durch die neuesten Ankündigungen aber bestätigt, mit dem vor mehr als einem Jahr mit Microsoft geschlossenen Patentabkommen eine Vorreiterrolle eingenommen zu haben. Die Zusammenarbeit mit dem Softwarekonzern war seit langem von vielen Open-Source-Fans massiv kritisiert worden und auch mit seinem Kommentar sorgte Novell nun erneut für Aufregung - dies soll aber hier nicht das Thema sein.

Jeremy Allison, Mitgründer des Samba Projekts, bemängelte hingegen, dass der Teufel wie immer im Detail stecke. Wenn Microsoft seine Pläne umsetze, sei dies zwar für den Rest der Welt gut, für Samba ändert sich jedoch kaum etwas, da man bereits über die versprochenen Dokumente verfügt. Auch er kritisierte die Beschränkung des Versprechen, nicht gegen mögliche Patentverletzungen vorzugehen, auf nicht kommerzielle Entwickler. Immerhin erhielten nun aber alle die gleichen Informationen, was sehr zu begrüßen sei.

Lizenzen erwerben oder Patentklagen riskieren?
Miguel de Icaza, Gründe des GNOME Projekts, begrüßte Microsofts Pläne ebenfalls. Das Ganze sei ein sehr faszinierender Schachzug, der auf den ersten Blick sehr positiv auffalle. Letztendlich sei aber die große Frage, wie sich die Open-Source-Szene nach der Veröffentlichung der Informationen bezüglich möglicher Patentverletzungen durch ihre Produkte verhält.

Sollte dann ans Tageslicht kommen, dass Linux oder eine andere freie Software seit Jahren gegen ein Microsoft-Patent verstößt, würden die Open-Source-Anbieter dann Lizenzen erwerben und sich so den Zorn der Nutzer einhandeln, oder doch lieber eine Klage der Redmonder riskieren, fragt er sich.
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