Netzwelten: Das Kreuz mit dem jaulenden MacBook

WinFuture Als Apple 2005 ankündigte, in Zukunft auf Prozessoren aus dem Hause des Chip-Riesen Intel setzen zu wollen, sollte die Umstellung nur Vorteile mit sich bringen. Bereits im Januar 2006 konnte Apple die ersten Geräte mit Intel-CPUs vorstellen - der Desktop-PC iMac und das MacBook Pro, welches die PowerBooks ablöste. Die ersten neuen MacBooks wurden seit Februar 2006 im 15"-Maßstab ausgeliefert und konnten bereits zahlreiche begeisterte Käufer finden. Offenbar läuft aber auch in der Apple-Welt nicht alles ganz so, wie es sich Hersteller und Kunden wünschen. Ein MacBook-Käufer der ersten Stunde schilderte uns Probleme und den Verlauf einer Odysee, die Kunden bevorstehen könnte, welche mit den offensichtlichen Qualitätsproblemen der ersten MacBook Pro zu kämpfen haben.

Nachdem der Käufer, nennen wir ihn Herrn Lehmann, mit dem Wunsch, die häufigen Schwierigkeiten mit einem Laptop mit Windows Betriebssystem endlich hinter sich zu lassen, gleich nach der Vorstellung der neuen Geräte im Januar eines der ersten MacBooks geordert hatte, erhielt er Ende Februar sein frisch erworbenes Gerät.


Sogleich sollte die Neuerwerbung zum produktiven Einsatz kommen. Zunächst klappte auch Alles, wie gewünscht, die benötigte Software konnte wie erwartet problemlos installiert werden und auch der erste Eindruck war äusserst positiv. Doch gleich am zweiten Tag der Nutzung gab es eine böse Überraschung - die eingebaute 80 Gigabyte Festplatte verabschiedete sich urplötzlich ins Nirvana, so dass ein Austauschgerät her musste.

Alles kein Problem, dachte Herr Lehmann und rief die Apple-Hotline an. Dort hiess es, dass man ohne große Umstände zum Umtausch des defekten Geräts bereit sei. Es sollte jedoch bis Ende April dauern, bis ein neues MacBook geliefert werden könne, so die Support-Mitarbeiter. Daraufhin entschloss sich der Kunde, das defekte Gerät einfach zurückzugeben und ein Neues zu bestellen.

Gesagt, getan - Ende Februar ging das defekte MacBook Pro wieder zum Hersteller zurück und bei der erneuten Bestellung wurde gleich eine schnellere Festplatte mit geordert, um möglichen Qualitätsproblemen aus dem Weg zu gehen, indem einfach ein anderes Modell gewählt wurde. Nachdem ein Lieferdatum gegen Ende April angegeben wurde, entschloss sich Herr Lehmann erneut die Hotline anzurufen und um ein Vorziehen seiner Bestellung zu bitten.

Dies war mit Hilfe eines freundlichen Apple-Mitarbeiters am anderen Ende der Leitung ohne Probleme möglich, so dass bereits Anfang März ein neues MacBook Pro mit größerer Festplatte geliefert werden konnte.

Doch auch das neue Gerät entsprach nicht dem, was man beim Kauf eines Apple-Produkts erwartet hätte. Für den Preis von rund 2500 Euro bekam Herr Lehmann ein MacBook Pro, welches für Kopfschmerzen bei der Arbeit sorgte. Grund für die Kopfschmerzen war ein hochfrequenter Pfeifton, der, wie sich herausstellte, nur dann auftrat, wenn die doppelkernige Intel-CPU in einem bestimmten Stromsparmodus arbeitete.

Ein Anruf bei der Hotline, der mittlerweile zur Routine geworden war, führte zu einem erneuten Austausch des MacBook Pro. Nachdem auch bei dem Tauschgerät der Fiepton auftrat, welcher inzwischen auch bei anderen Nutzern der neuen Notebook-Serie aufgetreten war, wurde wieder einmal der Apple-Support konsultiert. Dessen Antwort war, dass der Pfeifton "innerhalb der Spezifikationen" liege. Daraufhin entschloss sich Herr Lehmann auch dieses Gerät zurückzugeben und ein neues zu bestellen.

Nun könnte man meinen, dass Herr Lehmann genug von Apples neuen Notebooks gehabt habe. Dem war auch so, weshalb er sich zunächst nach Alternativen umsah, darunter die ThinkPads von IBM/Lenovo und andere hochwertige Windows-Laptops. Da die anderen Optionen aber ein schlechteres Preis-/Leistungsverhältnis vorwiesen, wurde letztenendes doch ein weiteres MacBook Pro geordert.

Im April erhielt Herr Lehmann erneut ein MacBook Pro, welches eigentlich zur Erstellung der Dokumentation seiner Abschlussprüfung und für die dazugehörige Präsentation genutzt werden sollte. Wie zu erwarten war, stiess auch das neue Gerät während des Betriebs einen Pfeifton aus. Dieser war jedoch im Verhältnis zu den vorangegangenen Modellen etwas lauter. Hinzu kam, dass die eingebaute WLAN-Karte nach zwei Tagen den Geist aufgab.

Genervt wählte der Kunde die Support-Nummer und durfte satte 40 Minuten in der Warteschleife verbringen - zum Preis von 12 Cent in der Minute. Nachdem in einem anschließenden 30-minütigen Gespräch die Probleme geschildert wurden, einigte man sich auf einen erneuten Tausch. Das Austauschgerät trudelte kurze Zeit später ein wies aber, oh Wunder, erneut das Pfeifproblem auf.

Als Herr Lehmann wieder einmal die Hotline anrief und seiner Unzufriedenheit Luft machte, hiess es vom Apple-Support lapidar, dass der Pfeifton bei dieser Serie vollkommen normal sei. Dies war für den Kunden eine überraschende Äusserung, da seine Online-Recherchen keine Berichte über derartige Stellungnahmen seitens des Herstellers zu Tage gefördert hatten.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde ein erneuter Tausch vorgeschlagen und sogleich die Voraussetzungen dafür geschaffen. Als der Käufer dann allerdings mit einem Mitarbeiter der Bestellabwicklung verbunden wurde, hiess es plötzlich, dass nur noch eine Rücksendung möglich sei.

Nach insgesamt fünf MacBook Pro überlegt Herr Lehmann nun, vorläufig Abschied von Apples Produkten zu nehmen. Im letzten Gespräch mit der Hotline empfahl man ihm zunächst noch, eines der inzwischen ebenfalls erhältlichen MacBook Pro mit 17 Zoll großem Display zu erwerben, da dort das Problem nicht mehr auftrete. Eine Garantie dafür wollte man jedoch nicht geben.

In diversen Online-Foren für Mac-User häufen sich bereits seit der Auslieferung der ersten MacBook Pro Modelle die Spekulationen über die Gründe für das Auftreten des nervigen Pfeifens. Da Apple bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben hat und auch sonst keinerlei Informationen über die Probleme veröffentlicht hat, forschen die Besitzer der Geräte seit geraumer Zeit selbst.

Ihre Nachforschungen haben unter anderem ergeben, dass die Ursache wohl bei der für die neuen Intel-CPUs angepassten Version des Betriebssystems Mac OS X zu suchen ist. Offenbar nutzt das OS nur zwei der insgesamt sechs verschiedenen Stromsparmodi des Intel Core Duo Prozessors. Durch ein mangelhaft entwickeltes Power Management wird der Prozessor kurzfristig in den Stromsparstatus "C4E" und daraufhin wieder in den Modus "C1E" geschaltet.

Offenbar kommt die im MacBook Pro verbaute Spannungsversorgung des Prozessors mit diesen schnellen Wechseln nicht klar, so dass sie hochfrequente Töne von sich gibt. Unter Microsofts Windows, das sich seit der Veröffentlichung der Beta-Software Boot Camp von Apple auch auf den Intel-Macs installieren lässt, tritt der Pfeifton übrigens nicht auf, was wiederum auf Fehler in Mac OS X schliessen lässt.

Abhilfe schafft nur Software von freien Entwicklern, zwischenzeitlich empfahl man sich in der Nutzergemeinschaft auch das ständige Verwenden des Programms Photobooth, welches die CPU minimal belastet und so stabil im Stromsparmodus C1E hält. Ähnlich funktionierten auch die alternativ erhältlichen Programme, die nun aber seit dem "Keyboard Update 1.0" keine Wirkung mehr zeigen. Nur noch eine einzige Software bleibt als Notlösung übrig - diese sorgt allerdings für immerhin acht Prozent CPU-Auslastung.

Herr Lehmann hat sich mittlerweile für den Kauf eines hochwertigen Windows-Laptops aus japanischer Produktion entschieden.
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