Bill Gates schreibt zum Thema Interoperabilität

Microsoft Am späten Abend erreichte gestern alle Abonnenten von Microsoft Executive Mails eine neue Nachricht. Alle, die auf dem Verteiler der Executive Mails stehen, bekommen in unregelmäßigen Abständen Post von Bill Gates, Steve Ballmer oder anderen Führungskräften bei Microsoft. In der neuesten Nachricht erläutert Bill Gates die Aktivitäten von Microsoft im Hinblick auf die Interoperabilität von Produkte von Microsoft in einer heterogenen IT-Umgebung. Haupttheme ist die Interoperabilität als Entwicklungsziel.

Hier nun die vollständige Nachricht (nicht wundern, langer Text):

Interoperabilität als Entwicklungsziel

Jeden Tag müssen Unternehmen dafür sorgen, dass unterschiedliche Softwarekomponenten von verschiedenen Herstellern einwandfrei zusammenwirken. Denn für die erfolgreiche Verschlankung der Geschäftsprozesse, die intensivere Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern oder das Gelingen von Unternehmensfusionen und -übernahmen ist die Integration von Software ein entscheidender Faktor. Unabhängig davon, ob Sie Ihr Unternehmen an die Systeme Ihrer Partner anbinden, auf einem Großrechner auf Daten zugreifen, in unterschiedlichen Programmiersprachen geschriebene Anwendungen verknüpfen oder versuchen, sich in die verschiedensten Systeme einzuwählen - die Kombination heterogener Technologien bei gleichzeitiger Kostensenkung ist eine Aufgabe, die heute jeden Unternehmensbereich betrifft.

Im Laufe der Jahre hat unsere Branche viele Bestrebungen unternommen, um die Heterogenität von Software in den Griff zu bekommen. Die einzige Lösung, die sich als durchwegs effizient erwiesen hat - und von der Entwickler am meisten profitieren - ist das Bekenntnis zur Interoperabilität. In der Industrie ist es eingespielte Norm, dass unterschiedliche Anwendungen und Systeme die Aufgaben erledigen, für die sie am besten geeignet sind, und eine gemeinsame Struktur dafür sorgt, dass die unterschiedlichen Systeme untereinander kommunizieren und Daten austauschen können.

Insgesamt ist die Interoperabilität ein pragmatischerer Ansatz als beispielsweise der Versuch, die Kompatibilität aller Systeme auf Code-Ebene zu erreichen oder ausschließlich neue Middleware-Schichten zu ergänzen, damit alle Systeme gleich aussehen und auf die gleiche Weise agieren, beziehungsweise eine Austauschbarkeit verschiedenartiger Systeme zu verfolgen. Auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses der Systeme über grundlegende Protokolle kann unterschiedliche Software trotz geringer oder nicht vorhandener Kenntnisse der einzelnen Komponenten reibungslos interagieren. Das wohl deutlichste Beispiel für diese Art der Interoperabilität ist das Internet, in dem jede Software Daten verknüpfen und austauschen kann, sofern die grundlegenden Protokolle beachtet werden.

Einfach ausgedrückt hat sich die Interoperabilität als Ansatz für den Umgang mit der Vielfalt und Heterogenität der am Markt erhältlichen Systeme bewährt. Ich möchte mich heute auf zwei bedeutende Vorstöße im Rahmen unserer Strategie zur Produktinteroperabilität konzentrieren: Zunächst wollen wir der Anforderung unserer Kunden nach Software, die reibungslos mit bereits installierten Systemen funktioniert, auch in Zukunft nachkommen. Als zweites arbeiten wir gemeinsam mit anderen Unternehmen der Branche an der Definition einer neuen Generation von Software und Web-Services, die auf der eXtensible Markup Language (XML) basieren. XML ermöglicht unterschiedlicher Software den effizienten Austausch von Daten und gestattet eine erhöhte "Interoperability by Design", also die verbesserte Interoperabilität, die schon im Konzept steckt. Unser Ziel ist, die Leistungsstärke der modernen (und weniger modernen) Unternehmenssoftware zu nutzen und dafür zu sorgen, dass die Software so zusammenwirken kann, dass sich durch das Zusammenspiel ein größerer Nutzen ergibt als durch den addierten Einsatz der Lösungen allein. Darüber hinaus sollen Reibungen unter den heterogenen Architekturen und Anwendungen beseitigt werden, ohne dabei die eigentliche Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Obwohl dieser Ansatz auf den ersten Blick nahe liegend erscheint, vermischt sich die Forderung nach Interoperabilität manchmal mit anderen Themen. Interoperabilität wird manchmal schlichtweg als Einhaltung einer veröffentlichten Spezifikation angesehen, die entweder ein oder mehrere Hersteller oder eine für Standards zuständige Organisation herausgibt. Die bloße Veröffentlichung einer Spezifikation erzielt aber nicht keine Interoperabilität, hier wird vielmehr übersehen, dass jede Menge harte Arbeit erforderlich ist, um interoperable Produkte erfolgreich zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Struktur, die von der Spezifikation definiert wurde, nutzbringend in die Software integriert und in einer Produktionsumgebung getestet wird.

Interoperabilität wird häufig auch mit Open Source Software verwechselt. Bei der Interoperabilität geht es um verschiedene Softwaresysteme, die zusammenwirken. Open Source hingegen bietet eine Methode für die Lizenzierung beziehungsweise Entwicklung von Software - die interoperabel sein kann, aber nicht muss. Außerdem fördert Open Source die Entwicklung vieler gleicher Softwareanwendungen, was zu zusätzlichen Kosten für die Implementierung und das Testen der Interoperabilität führen kann.

Mit dem arbeiten was man hat

Bestehende Technologien im großen Stil auszuwechseln, ist für die meisten Unternehmen extrem schwierig, da die Investitionen in eine Vielzahl von Systemen diverser Hersteller schlichtweg zu hoch waren. Aus diesem Grund ist es für Unternehmen nach wie vor wichtig, dass neue Software mit den bestehenden Systemen zusammenarbeiten kann. Microsoft investiert daher permanent in die Unterstützung seiner Kunden und hilft ihnen bei der Integration der Microsoft Plattformen und Anwendungen mit einer Reihe von gängigen (aber auch nicht so gängigen) Hardware-, Software- und Netzwerkprodukten.

Entsprechend stellt Microsoft vom Betriebssystem bis zu den einzelnen Anwendungen ein umfassendes Portfolio aus interoperabler Software zur Verfügung. Unsere Software ist mit so gut wie allen Technologien interoperabel, unabhängig davon, ob diese Technologien seit Jahrzehnten oder erst seit einer Woche am Markt sind. Microsoft Software spricht die Sprache der meisten Technologien: der Großrechner und Minicomputer von IBM und anderen Herstellern, der Betriebssysteme wie Mac OS und diversen UNIX-Betriebssystemen, einschließlich Linux, der Netzwerke wie NetWare oder AppleTalk und der nativen Internet-Protokolle. Unsere Software versteht Dutzende von Programmiersprachen, von COBOL über RPG und C++ und Java bis hin zu den neuesten experimentellen Sprachen, Hunderte von Datenbanken wie Oracle, Sybase und DB2, gängige Geschäftsanwendungen wie SAP oder Siebel; vertikale Industriestandards, unter anderem SWIFT oder HL7, E-Mail-Systeme und Infrastrukturprodukte, die Message Queues, Directory, Management und Security bieten.

Viele Microsoft Produkte wie Windows, Office, SQL Server, Exchange und Visual Studio verfügen über diverse Funktionalitäten, die speziell auf die Interoperabilität mit Nicht-Microsoft-Produkten ausgerichtet sind. Bei einigen Microsoft Servern steht die Interoperabilität voll und ganz im Mittelpunkt, dazu gehören der Host Integration Server mit Connectivity für Mainframes, der BizTalk Server für die heterogene Integration in multiple Anwendungen oder der Identity Integration Server, mit dem die Nutzerauthentifizierung und die Verwaltung diverser Systeme vereinfacht wird. Die Integration der Interoperabilität ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit und berücksichtigt sowohl die Anforderungen unserer Kunden als auch deren bestehende IT-Umgebungen.

Während sich unsere Investitionen in die Interoperabilität in erster Linie auf das Design unserer eigenen Software konzentrieren, arbeiten wir auch an einer industrieweiten Interoperabilität. So beteiligt sich Microsoft an formellen und informellen Organisationen, die Interoperabilitätsstandards festlegen und unterstützt die Definition von Spezifikationen, die Voraussetzung für die Interoperabilität sind. Wir veröffentlichen APIs, Protokolle und Software Development Kits und vergeben Lizenzen für das in Verbindung mit dieser Technologie stehende geistige Eigentum, damit auch andere Unternehmen interoperable Software entwickeln können. Darüber hinaus arbeiten wir mit einer Reihe von Anbietern, auch mit direkten Mitbewerbern zusammen und tauschen Technologien aus, um Interoperabilitätslösungen zu erstellen, die mit unseren Produkten zusammenwirken.

Laut einer vor kurzem von Jupiter Research durchgeführten Studie vergeben 72 Prozent der IT-Manager den Microsoft Technologien Bestnoten für Interoperabilität. Und für die Verbesserung der Interoperabilität in der Finanzbranche auf Basis von Web-Services wurde Microsoft.NET vom "Waters Magazin" kürzlich zur besten Geschäftsentwicklungsumgebung gewählt. Die Erfolge, die Microsoft im Bereich Interoperabilität verbuchen kann, ergeben sich aus der Entwicklung des Unternehmens Microsoft: Aufgrund der unglaublichen Vielfalt von Hardware und Software für den PC haben wir schon immer mit Nachdruck an gut funktionierenden Mechanismen gearbeitet, die verschiedene Produkte unterschiedlicher Hersteller interagieren lassen. Denn ohne Bekenntnis zur Interoperabilität wäre die gesamte Branche einschließlich Microsoft in den Kinderschuhen stecken geblieben.

Einsatz von XML zur Umsetzung von "Interoperabilität by Design"

Damit Software von Microsoft eine unfassbare Vielzahl von Interoperabilitätsmechanismen unterstützen kann, und auch noch so kleine Hardware- und Softwarekomponenten interoperabel sind, muss jeder Mechanismus einzeln entwickelt, getestet und gewartet werden. Die Anforderung, für jedes Interoperabilitätsproblem eine individuelle Lösung zu erstellen, resultiert in einer ständig steigenden Komplexität. Dabei sind die Ressourcen von Kunden und Herstellern - auch Unternehmen der Größenordnung von Microsoft - für die erforderliche Dokumentation, das Testen und für die Aufzeichnung jedes kleinsten technischen Details begrenzt.

Um dieses Problem anzugehen arbeitet Microsoft zusammen mit der Industrie an der Entwicklung einer völlig neuen Softwaregeneration, die bereits vom Konzept her interoperabel ist. Dadurch verringert sich der Aufwand für individuelle Entwicklungen und die beschwerlichen Test- und Zertifizierungsverfahren. Im Mittelpunkt der Entwicklung dieser neuen Softwaregeneration steht XML. Informationen, die auf XML basieren, sind selbst beschreibend - und daher für verschiedene Systeme leicht verständlich. Erfolgt beispielsweise der Austausch einer Bestellung zwischen zwei Systemen, werden die Eigenschaften dieser Bestellung in XML beschrieben, so dass jedes System, das die Informationen erhält, diese übersetzen und ausführen kann. Dieser Ansatz bildet auch die Grundlage für XML-basierte Web-Services, die wiederum ein Internet-basiertes Protokollset für Distributed Computing bereitstellen. Das neue Modell für die Kommunikation von Software wurde industrieweit angenommen und ist Eckpfeiler von Microsoft .NET und der jüngsten Generation unserer Visual Studio Tools für Softwareentwickler.

Dieser Ansatz spiegelt sich auch in der Verwendung von XML als Daten-Interoperabilitätsrahmen für Office 2003 und Office System wider. Office Dokumente, Tabellen und Formulare können im XML-Dateiformat abgespeichert werden, das für jeden ungehindert zur Verfügung steht beziehungsweise lizenziert und genutzt werden kann. Außerdem unterstützt Office kundendefinierte XML-Schemata, die über die bestehenden Dokumentenarten in Office hinausgehen. Dadurch ergeben sich zwei Dinge: Durch die Unterstützung der Daten im XML-Format können Kunden die Daten zunächst problemlos in den vorhandenen Systemen öffnen und mit vertrauten Office Anwendungen bearbeiten. Anschließend können die in Office erstellten Daten von anderen Geschäftsanwendungen problemlos weiterverwendet werden.

Die XML-basierte Architektur für Web-Services mit der Bezeichnung WS-* ("WS-Star") wird in enger Zusammenarbeit mit Dutzenden Unternehmen wie IBM, Sun, Oracle und BEA entwickelt. Dieses Standardprotokollset verringert die Kosten und Komplexität, die bei der Verbindung ungleicher Systeme entstehen, drastisch. Weiterhin ermöglicht WS nicht nur die Interoperabilität innerhalb einer Organisation, sondern auch rund um den Globus. Forrester Research prognostizierte Mitte 2003, dass "service-orientierte Architekturen, mit denen die Standardinstallation von Software erfolgt, die Integrationskosten um ein 10-faches verringern werden". Laut Forrester sind diese Einsparungen vom heutigen Standpunkt aus realistisch. Die Definition von gut konzipierten Protokollarchitekturen ist aber nur ein Teil der Aufgabe. Unter anderem haben Microsoft und andere Unternehmen erheblich Ressourcen investiert, damit sicher gestellt ist, dass die Implementierungen von Web-Services verschiedener Unternehmen auch wirklich interoperabel sind. So fanden unter anderem Workshops statt, umfangreiche Testungen, die Überprüfung von Spezifikationen angesichts der Erfahrungen und sogar die Gründung eines Gremiums mit dem Namen " WS-I", das die Aufgabe hat, die Interoperabilität zu sichern.

Bis heute haben Microsofts Investitionen in die Interoperabilität signifikante Vorteile für Kunden und Industrie erzielt. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir noch mehr tun können, um Kunden und Partner dabei zu unterstützen, die Interoperabilität noch zu erhöhen , um den Anforderungen in ihren Unternehmen gewachsen zu sein. Das Fundament, das wir mit XML bieten, verringert bereits erheblich die Faktoren Zeit, Know-how und Kosten, die für die Integration der Systeme erforderlich sind.

Darüber hinaus sehen wir auch hervorragende Chancen für Entwickler und IT-Experten, um eine neue Softwaregeneration zu etablieren, die vom Konzept her interoperabel ist. Auf einer gerade veröffentlichten Internetseite (http://www.microsoft.com/interop) finden sich Details über die Interoperabilitätsmerkmale unserer Software. Hier stehen auch die technischen Informationen, Webcasts und Veranstaltungen zur Verfügung, die Sie dabei unterstützen, unsere Produkte in einer heterogenen Softwareumgebung optimal einzusetzen.

Bill Gates


Siehe: Microsoft Executive Mails
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