Gewalt in Spielen - Die Praxis der BpjM

29.07.2003 17:17 

 

Gewalt in Spielen an sich

Vieles spricht dafür, dass Spiele mit Gewaltanteilen die Persönlichkeit und die Verhaltensweise eines Menschen beeinflussen. Besonders bei sozialbenachteiligten und labilen Menschen kann dies sicherlich ein Herd für gewalttätige Aktionen und negatives Verhalten sein. Auch bei Menschen, die einen weniger zu beeinflussenden Charakter haben, lösen diese Gewaltspiele eine Aggression und Schwächung des Mitgefühls für Andere aus.
Doch nun zu den positiven Eigenschaften von Shootern und 3D-Spielen allgemein. Spiele dieser Art fördern das räumliches Vorstellungsvermögen, sodass eine bessere Orientierung in Räumen evtl. möglich ist. Außerdem stärken Multiplayer-Spiele das Teambewusstsein, wobei ein Teambewusstsein auch ohne Gewalt, wie z.B. im reellen Mannschaftssport, dieselben Effekte erzielt.
Aber was interessiert die heutige Jugend so sehr an den Shootern? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jugendliche solche Spiele spielen um in einem Team Erfolg zu haben. Sind es Instinkte, die bei solchen Spielen geweckt werden, um Feinde wie in der Steinzeit umzulegen? Oder ist einfach nur das Bedürfnis an härtere Freizeitmöglichkeiten sich auszutoben? Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er spielt und was nicht! Liegt eine zu große Brutalität vor (siehe Quake 3), ist es nach meiner Meinung völlig zu verstehen, dass Eltern sowie der Staat Q3 und dergleichen verbieten. Denn trotz allem muss man behaupten, dass nicht alle Jugendliche über die Lebenserfahrung und darauf aufbauende Entscheidungsgewalt verfügen, Gewalt in besonderem und beeinflussendem Maß von harmloser Gewalt zu unterscheiden.
Das ganze Genre zu verbieten oder nur Älteren zugänglich zu machen ist sicher der falsche Weg. Eher sollten die Spielefirmen auf stärker lokalisierte und entschärfte Versionen bauen, damit kann auch der Verkaufserfolg (durch Nichtindizierung) erzielt werden. Dazu muss bemerkt werden, dass Leute, die Spiele oder bestimmte Versionen bekommen möchten, auch diese mittels moderner Highspeedzugängen sowie florierenden Warezseiten und Programmen bekommen.


Die Praxis der BpjM

Die BpjM sowie die BpjS handelte bisher (vor der Gesetzänderung) immer auf Antrag. Sobald bei einem Jugendamt ein Antrag zur Überprüfung eines Spieletitels eingegangen war, überprüfte die Indizierungsstelle die Inhalte und fällte danach ein Urteil, ob Indizierung oder nicht. Mit dem neuen Gesetz ist es nun möglich, dass angesprochene Behörde auch ohne Antrag tätig werden darf und soll, damit eine Überprüfung aller Actionspiele gewährleistet sein kann.

Nähere Informationen zum neuen Gesetzentwurf.
Zum Bundesministerium: Link


Ausblick

Was wird die Zukunft für die Action-Gamer unter euch bringen? Es werden sicherlich mehr Spiele aufgrund der neuen Regelung indiziert oder vor allem erstmal geprüft werden.
Der Counterstrike und Half-Life Publisher "Vivendi" hat sich schon entschlossen: In der nächsten Zeit wolle man keine Spiele mit Gewaltinhalten mehr in Deutschland vertreiben bzw. schon erst gar keine lokalisierte Version herausbringen. Wie viele Spieleschmieden sich daran anschließen ist die große Frage!

Es bleibt also abzuwarten, in wie weit sich die Spielelandschaft in Zukunft entwickeln wird.


 
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© 2002 Simon Bauer 


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