Flatout - Review

21.11.2004 17:28 
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, mal so richtig sein Auto zu Schrott zu fahren, ohne später dafür zu büßen? In Realität und im Spiel sollte ein Crash vermieden werden. Dagegen spricht eigentlich nichts, aber die andere Seite der Medaille ist ja auch mal interessant. Diesem Interesse will Bugbear Entertainment mit Flatout, einem etwas anderen Rennspiel, nachkommen. Wir haben uns ins Karossen-Getümmel gestürzt um herauszufinden, was denn an Flatout so besonders ist und wie die Umsetzung dieser Besonderheiten gelungen ist.

Das Spiel auf einen Blick:
  • 36 Strecken
  • 6 Minigames
  • 6 Kampfarenen
  • 16 Automodelle
  • 6 Spielmodi (Karriere, Einzelrennen, Zeitrennen, Stunt, Destruction Derby, Mudrace)
  • Tuningfunktionen




Das Spiel
In Flatout geht es prinzipiell um eines: Habe Spaß, in dem du möglichst viele Unfälle baust. Nur soll man nicht ausschließlich fahren, um zu zerstören, sondern auch des Gewinnes wegen. Im Karriere-Modus fährt man Rennen, in denen man, um weitere Strecken frei zu schalten, den ersten, zweiten oder mindestens de dritten Platz belegen muss. Hat man die Rennen der Bronze-Klasse gemeistert, wird die Silber-Klasse und letztlich die Gold-Klasse freigeschaltet. In welcher Reihenfolge die Rennen in der jeweiligen Klasse bestritten werden, bleibt Ihnen überlassen. Jedes Rennen, das Sie als Erster, Zweiter oder Dritter bestreiten bringt Ihnen entsprechend Geld ein, das Sie in das Tuning Ihres Wagens investieren können. Mit Ihrem Fortschritt werden auch die Gegner stärker.

Neben dem Tuning werden Ihnen nach dem Abschließen einer Renn-Klasse auch neue Wagen zum Kauf bereitgestellt. Neben den Klassen dürfen Sie auch Bonusrennen fahren. Diese setzen sich aus Stunt-Games (Dummy-Weitsprung, -Hochsprung, -Dart etc), Destruction Derby und Mudracing zusammen. Der Bonusbereich dient nebenbei auch sehr gut zum aufstocken der Haushaltskasse, damit Sie auch genug Geld für das Tuning zusammenbekommen.

Gameplay
Die Bedienung – Einfach (und) perfekt
Die Menüs in Flatout sind sehr übersichtlich gestaltet. Ähnlich wie in Colin McRae kann man in einem für Konsolen und Gamepads angepassten Menü wählen. Die beigelegte Gebrauchsanweisung wird man sicher nicht brauchen. Die verschiedenen Rennen sind im Karriere Einzel- und Zeitrennen-Modus, mit kleinen Bildchen versehen, aufgelistet. Das Rennen kann mit einem einzigen Knopfdruck gestartet werden.

Die Steuerung – Gut gemacht Bugbear!

Mit der Tastatur lassen sich die Autos schon sehr gut steuern, mit einem Force-Feedback-Lenkrad steigt der Spielspaß aber noch etwas mehr an. Die Force-Feedback-Effekte sind sehr gut eingestellt und reagieren dem Untergrund und der Fahrsituation entsprechend. Auch mit einem Gamepad sollte Flatout Spaß machen, die Menüs sind wie gesagt optimal gestaltet, im Rennen fährt man ähnlich wie mit der Tastatur.

Die Physik-Engine – bringt sie Realismus?
Auf dem Papier macht das Spiel schon Lust auf mehr. Neben den genannten Features soll eine Physik-Engine für realitätsgetreue Situationen sorgen. Weiterhin sollen die Autos extrem zerlegbar sein, was speziell im Multiplayer für riesigen Spaß sorgen soll. Das, so muss man es sagen, ist den Entwicklern sehr gut gelungen.

Man kann nahezu alle Objekte auf und neben den Strecken zu Bruch fahren. Das eigene Auto und die Gegner lassen sich optisch sehr gut „verändern“, fährt man zum Beispiel über einen Hügel, überschlägt sich ein paar mal und knallt letztlich gegen einen Baum, einfach ein tolles Schadensmodell. Wer es allerdings übertreibt, büßt Zeit ein, denn fährt man etwas zu hart gegen ein Hindernis, das stärker als das Auto ist, so wird der Fahrer herausgeschleudert.

Soviel zum Spruch „seat belts not included“, denn Sicherheitsgurte sind nicht im Lieferumfang enthalten. Der herausgeschleuderte Dummy verhält sich dank Ragdoll-Technik physikalisch korrekt. In der deutschen Version fährt man anstatt mit einem menschlichen Wesen, mit einem Crashtest-Dummy. Das tut dem Spiel aber keinerlei Abstrich, es passt sogar vom Sinn her recht gut. Die Fahrphysik ist dem Spiel sehr gut angepasst. So rutscht ein Auto auf Schlamm, Geröll oder Eis gerne etwas mehr, damit der „Crash-Effekt“ einfacher zu erreichen ist. Hingegen kleben die reifen auf Asphalt schier unerschütterlich. Das verleiht dem Ganzen einen Touch von Arcade, auch hier gilt wieder: Da es einfach zum Spielprinzip passt, wird hier nicht negativ bewertet.

Die Grafik
Erfahrungsgemäß erwartet man nur von großen Entwicklungen große Leistungen, beispielsweise DTM Race Driver 2, die Formel 1-Serie, oder auch Need for Speed: Underground 1 und 2. Der „Underdog“ Flatout kann mit dieser Konkurrenz aber sehr gut mithalten. Optisch stellt sich Flatout nämlich blitzsauber und „schmutzig“ zugleich dar. Die Texturen sind scharf, auf nahezu alle Entfernungen. Reflektionen wird man nur schwer erkennen können, denn diese werden durch die allgemein etwas „dreckige“ Optik verhindert. Die Karosserien haben alle eine leichte Drecksschicht auf dem Lack, bis auf das, was man durch den Dreck noch erkennen kann, spiegeln nur die Scheiben die Umgebung leicht wieder.

In Punkto Vegetation gelang den Jungs von Bugbear Entertainment Großes: Bäume sind keine hässlichen Texturen sondern wirken sehr authentisch. Ein Unterschied eigentlich: Man soll sein Auto gefälligst ordentlich zu Schrott fahren, möchte aber manchmal gerne stehen bleiben und zusehen, wie die Sonne durch die Baumwipfel scheint. Die Karossen und die Umgebung sind so gestaltet, dass sie auch noch auf langsameren PC-Systemen recht hübsch anzusehen sind. Regelt man die Grafik-Qualität hinunter so hat dies nur wenig Einfluss auf den Spielspaß, Flatout sieht auch bei niedrigeren Einstellungen gut aus. Weiterhin lobenswert sind die Partikeleffekte. Rutschen bedingt das übliche Aufspritzen von Staub und Dreck, auf den winterlichen Strecken auch Eis und Schnee.

Schade, dass sich hier der aufgewirbelte Dreck nicht auf dem Autolack absetzt, wie man es beispielsweise in Colin McRae Rally bewundern kann. Eine Dynamik im Wetter fehlt leider. Im Regen wird man zu keinem Zeitpunkt im Spiel fahren. Angesichts des Spielprinzips eigentlich schade, wäre es doch so schön gewesen: eine ordentliche Schlammschlacht bei Sauwetter. Nach all dem Lob gibt es doch noch 2 kleine Kritikpunkte: Erstens: Das Tuning des Autos wirkt sich nicht auf dessen äußere Erscheinung aus. So baut man einen „Superlader“ ein (eine erweiterte Form des Turboladers, typisch amerikanische Lufteinlässe, die aus der Motorhaube ragen), sieht ihn aber nicht. So verhält sich das auch mit allen anderen Teilen, die separat angebaut werden können. Zweitens: Anfangs ist der Schwierigkeitsgrad „normal“, einer von 2 Stufen (normal, schwer) recht einfach, wie es sich gehört. Doch schon bald wird einem die KI der Gegner etwas zu aggressiv. Man wird gnadenlos vom Gegner gerammt und verliert fast immer die Kontrolle über das Auto. Rammt man selbst den Gegner, so hat das auf dessen Fahrverhalten nahezu keinen Einfluss.

Der Sound
Flatout ist nicht nur eine Augenweide, nein auch den Ohren wird geschmeichelt. Aus dem Auspuff ertönt ein kerniger, satter Motorsound. Neben den Geräuschen die während dem Rennen aus den Boxen dröhnen, wird nebenher ständig Musik, wie in Need für Speed: Underground, abgespielt. Die Musiktracks sind stimmig, können jedoch nach längerem Spielen etwas nervig werden. Viel zu bemängeln gibt es hier nicht, insgesamt ist die Soundkulisse stimmig und qualitativ im grünen Bereich.

Multiplayer
Wenn schon das Crashen im Singelplayer Spaß macht, wie ist das dann erst im Multiplayer? Noch besser! Gegen 7 Freunde oder andere Spieler ein Demolution Derby bestreiten oder einfach nur die Kurse abrasen ist ein sehr guter Launemacher. Dies katapultiert die Wertung nach oben, ein sehr gelungenes Spiel im Bereich der Mehrspieler.

Fazit
Flatout macht Laune! Zum einen heizen, zum anderen verrückte Stunts machen. Endlich mal eine Alternative zu den linearen Rennsimulationen. Dieser Mix aus Simulation und Arcade ist in jedem Bereich gelungen. Selten gibt etwas zu kritisieren. Kurz und knapp: So muss es sein! Glückwunsch an Bugbear Entertainment, diese Wertung hat sich Flatout redlich verdient!

In Zusammenarbeit mit Gamesfire.de.
Diesen Testbericht empfehlen
Kommentar abgeben Netiquette beachten!